Wie uns das Unterbewusstsein gerne Streiche spielt

Nachdem Sie in Teil 1 bereits den Pratfall-, den Pygamlion und den Paradox-Effekt kennengelernt haben, schauen wir uns heute drei weitere spannende Effekte an.

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Kein Mensch ist vor Denkfehler gefeit. Alle Erfahrungen, die wir im Laufe unseres Alltags machen, interpretieren wir aufgrund unserer ganz persönlichen Sichtweise. Wie durch eine Brille schauen wir auf all unsere Erfahrungen und kommen so auch immer wieder zu denselben Ergebnissen, die nicht immer richtig sind. Das bleibt nicht immer ohne Folgen, umso hilfreicher ist es, die Tricks zu kennen, mit denen wir uns selber unbewusst immer wieder selber manipulieren.

4. Der Bystander-Effekt - Je mehr Menschen jemanden in Not sehen, desto weniger wahrscheinlich wird diese Person Hilfe erhalten.

Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter veranschaulicht diesen Effekt deutlich. Die Wahrscheinlichkeit der Hilfe sinkt proportional zur Anzahl der anwesenden Personen. Wenn Sie jemals Hilfe brauchen, suchen Sie nicht in einer Menschenmenge danach.

Der Bystander-Effekt wurde in einer Studie nachgewiesen: Dabei wurde beobachtet, wie Schüler auf das wahrgenommene Ersticken eines Mitschülers reagierten. Als die Beobachteten sich als einzige andere Person wähnten, versuchten noch 85% zu helfen. Als die Probanden davon ausgehen konnten, dass es noch eine andere Person gab, halfen 65%, bei vier weiteren Personen, fiel der Prozentsatz auf 31%.

Für Sie zum Mitnehmen

Seien Sie ganz konkret, wenn Sie Hilfe brauchen. Bitten Sie gezielt jemanden um Hilfe (am besten, indem Sie ihn oder sie mit Namen nennen), um die Verwirrung der Verantwortlichkeit zu beseitigen. Im Design Thinking nutzen wir diesen Effekt vor allem, wenn potentielle Kunden befragt werden sollen. Das funktioniert in einer abgelegenen Gasse bzw. in einem kleinen Lokal besser als im Einkaufszentrum oder auf der belebten Einkaufsstraße.

5. Der Spotlight-Effekt - Ihre Fehler werden nicht so oft bemerkt wie Sie denken

Wir glauben, dass wir ständig alles unter Kontrolle haben müssen. Und doch ist Kontrolle oft nur Schein und in unseren Köpfen. So spiegeln auch die Selbstzweifel, die wir jedes Mal fühlen, wenn wir einen Fehler machen, nicht die Realität wider. Dem Spotlight-Effekt zufolge achten die Menschen in unseren Momenten des Scheiterns nicht annähernd so viel wie wir denken.

Um den Spotlight-Effekt zu testen, bat ein Team von Psychologen eine Gruppe von Probanden, ein peinliches T-Shirt (mit einem Bild von Barry Manilows Gesicht) zu tragen und abzuschätzen, wie viele andere Menschen bemerkt hatten, was sie trugen. Die Schätzungen der Probanden waren doppelt so hoch wie die tatsächliche Anzahl.

Für Sie zum Mitnehmen

Sie stehen weniger oft im Rampenlicht als Sie denken. Das zu erkennen, führt dazu, dass wir uns entspannter, komfortabler und freier fühlen. Wir können mehr wir selbst sein. Das Wissen hilft uns vor allem im Design Thinking, uns mehr zu trauen, auszuprobieren und Prototypen zu entwickeln.

6. Der Fokussierungseffekt - Menschen legen zu viel Wert auf einen bestimmten Aspekt eines Ereignisses und erkennen andere Faktoren nicht

Wie viel glücklicher sind Menschen mit einem hohen im Vergleich zu jemanden mit einem geringeren Einkommen? Der Unterschied besteht definitiv, ist aber um ein Drittel geringer als die meisten erwarten. Das veranschaulicht der Fokussierungseffekt: Im Einkommensbeispiel überschattet der Faktor des Einkommens in Bezug auf die Stimmung die unzähligen anderen Umstände, die im Spiel sind.

Diesen Effekt haben Psychologen in Amerika untersucht. Dabei haben sie Kalifornier gefragt, ob diese zufriedener oder unzufriedener in der Lebensqualität wären als jemand, der im mittleren Westen (ca. Chicago und westlich davon) wohnt. Die Antwort beider Gruppen war einstimmig: Beide gingen davon aus, dass die Kalifornier wesentlich glücklicher sein müssten. Die Untersuchung aber zeigte, dass es keinen Unterschied zwischen der tatsächlichen Zufriedenheitsbewertung gab. Die Befragten konzentrierten sich mehr auf das sonnige Wetter in Kalifornien und den gelassenen Lebensstil als die vorherrschenden Faktoren für das Glück, während es tatsächlich viele andere, weniger publizierte Aspekte des Glücks gibt, die der mittlere Westen genießt: niedrige Kriminalität, Sicherheit vor Erdbeben usw.

Im Marketing wird der Fokussierungseffekt oft so eingesetzt, dass die positiven Merkmale stärker beleuchtet werden und mehr im Fokus stehen als andere Eigenschaften eines Produkts oder einer Dienstleistung. Auch Politiker nutzen die Fokussierung, um die Bedeutung bestimmter Themen zu übertreiben und weniger vortelhafte einfach weniger oft zu erwähnen.

Für Sie zum Mitnehmen

Denken Sie immer daran, aus welcher Perspektive Sie etwas betrachten. Jedes Problem hat verschiedene Blickwinkeln und es gibt immer mehrere Faktoren zu beachten, bevor Sie eine Entscheidung treffen. Der Nachteil des Fokussierungseffekts ist, dass er zu Fehlern bei der Vorhersage zukünftiger Ergebnisse führen kann. Wenn Sie Tunnelblick vermeiden (oder zumindest erkennen, dass es existiert), können Sie Ihre Chancen verbessern, eine gute Wahl zu treffen.
Im Design Thinking bedeutet das, dass wir vor allem beim Testen manches Mal aufpassen müssen, dass sich das Feedback nicht nur auf ein einzelnes Merkmal bezieht und so das ganze Ergebnis zum Prototypen bestimmt.

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