Jede Gruppe, sei es im privaten oder im beruflichen Umfeld, hat ihre individuelle Struktur und somit auch ihre individuelle Dynamik. Diese zu verstehen, hilft nicht nur dabei, gewisse Vorgänge zu begreifen, sondern auch, den Erfolg eines Projektes maßgeblich beeinflussen zu können. Meiner Erfahrung nach scheitern weit mehr als 70% aller Projekte scheitern alleine aufgrund mangelnder Zusammenarbeit und/oder schlechter Kommunikation.

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Jedes Team hat auch seinen eigenen, inhaltlichen Auftrag bzw. (wie es im Design Thinking heißt:) seine eigene Challenge. Aber auch die Situation, das Umfeld und vor allem die Persönlichkeiten der einzelnen Mitglieder bedingen, dass jede Gruppe sich individuell entwickelt und auch Gruppenprozesse per se niemals identisch sind. Dennoch gibt es immer gewisse Gesetzmäßigkeiten und Wiederholungen in der Entwicklungen von Gruppen.

Diese Gruppenmodelle sind sehr hilfreich und unterstützen als methodische Hilfestellungen bei der Steuerung von Gruppenprozessen und der Teamentwicklung.

Das rangdynamische Positionsmodell von Raoul Schindler

Der Wiener Psychotherapeut Raoul Schindler ging davon aus, dass jede Gruppe neben einer formellen Struktur (z.B. Projektleiter aufgrund des Auftrags in einem Unternehmen) eine informelle Struktur bildet: Unterschiedliche Personen können verschiedenen Positionen oder Rollen einnehmen und auch zwischen diesen problemlos wechseln. Das ist nicht nur wesentlich, um die Ziele und den Auftrag zu erfüllen, sondern vor allem dienen sie dem Aufbau und Erhalt einer Gruppe.

Die Rangpositionen in einer Gruppe

G = Das Gegenüber, manchmal auch der Gegner. Er stellt den eigentliche Grund dar, warum sich diese Gruppe überhaupt geformt hat und existiert (das gemeinsame Ziel, die Herausforderung, an der gearbeitet wird).

Alpha = Der Anführer. Diese Position ermöglicht erst die Richtung. Meistens ist Alpha der oder diejenige, die vom Unternehmen als Projektleiter formal bestellt wurde. Aber es kommt auch vor, dass sich innerhalb der Gruppe neben dem formellen auch ein informeller Gruppenführer herauskristallisiert. Sein Erfolg oder Misserfolg bestimmt gleichzeitig den Erfolg der gesamten Gruppe. Wenn er versagt, versagen alle. Argumentation liegt Alpha nicht so gut wie das Agieren.

Beta = Der Fachexperte. die Position jener, die Fachkenntnis besitzen und möglichst unabhängig von Alpha und der Gruppe sind. Er oder sie berät die Gruppe und leitet sie sachlich an, indem er überzeugende Argumente vertritt. Seine Autorität bleibt unangefochten, über die Gruppe ist er mehr indirekt über Alpha verbunden. Er ist für die Gruppe und für Alpha wertvoll.

Gamma = Das Kollektiv. Diese Position nehmen all jene ein, die in der Gruppe mitarbeiten und Alpha als Anführer akzeptieren. Sie sind für die Führung dankbar und können sich mit den Aufgaben identifizieren. Sie tauchen mit ihrer Persönlichkeit in eine Art verdeckte Kollektivität ein, ohne eigene Verantwortung.

Omega = Der Gegenpol zu Alpha. Omega ist jene Position, die eine wichtige Aufgabe für die Gruppe hat: Er oder sie wirkt eher randgehörig. Er identifiziert sich zwar mit der Aufgabe, beobachtet aber eher zögerlich die Handlungen der Gruppe und geht mit dieser nicht immer konform, was er auch kommuniziert. Er macht vor allem aber kritisch auf Abweichungen und Störungen aufmerksam und wird dadurch schnell selber als störend empfunden.

Warum dieses Modell so wichtig im Design Thinking Prozess ist

Ein Moderator kann anhand dieses Modells besser das Wechselspiel der einzelnen Mitglieder verstehen und zielorientiert eingreifen. Auch Konflikte, die schnell von einer Sachebene auf die Beziehungsebene rutschen, können mit Hilfe dieses Modells besser analysiert und gelöst werden.

Gerade zu Beginn eines Projektes ist es wichtig, dass das Team seine formellen Funktionen zugewiesen bekommt. Die Klärung der einzelnen Funktionen und Verantwortungsbereiche - offen an alle kommuniziert - trägt wesentlich zum Erfolg oder Misserfolg eines Projektes bei! Wenn die Verantwortungen, Kompetenzen, Entscheidungsbefugnisse und Aufgaben nicht klar verteilt und zugesprochen werden, kommt es automatisch zu Störungen und Unklarheiten der einzelnen Funktionen. Keiner weiß, wer eigentlich wofür und warum verantwortlich ist, die Dinge beginnen langsam aber sicher aus dem Ruder zu laufen - bis die ganze Arbeit gar vielleicht umsonst war.

Fazit

Deswegen ist es immer wichtig zuzuhören, zu hinterfragen, zu beobachten und zu agieren. Denn der Mensch hat nicht umsonst nur einen Mund, aber zwei Ohren und zwei Augen - wie ein dänisches Sprichwort so schön zusammenfasst ;)

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