Hand aufs Herz: Wie sehr vertrauen Sie auf die Meinung von Experten? Bei der Delphi Methode bitten Sie Experten in mehreren Befragungswellen anonym um deren persönliche Einschätzung. Dadurch ist es einfacher, zukünftige Ereignisse oder Trends zu erarbeiten, neue Ideen zu generieren oder verschiedene Experten-Meinungen über einen unklaren Sachverhalt zu ermitteln.

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Die Delphi-Befragung ist ein Entscheidungsverfahren, bei der Experten in mehreren Befragungswellen um ihre Einschätzung gebeten werden. Das Ziel ist es, dass letztendlich zukünftige Ereignisse, Trends, Lösungen für komplexe Probleme erarbeitet werden oder neue Ideen generiert, weitreichende Entscheidungen getroffen oder einfach Meinungen über einen unklaren Sachverhalt ermittelt wird.

Das Geheimnis rund um das Orakel

Die Verwendung dieses Befragungsansatzes der Delphi-Methode soll auf die antike Orakelstätte in Delphi (Griechenland) im 8. Jahrhundert v.Chr. zurückzuführen sein. Das Orakel von Delphi galt als Pilgerstätte für Könige wie Bauern, die nach Antworten bei dem neutralen Weissager suchten. Viele Legenden herrschen rund um das Orakel von Delphi. So soll es u.a. König Laios vorausgesagt haben, dass sein Sohn Ödipus ihn töten und schließlich seine Frau heiraten werde. Das Geheimnis des Orakels lässt sich heute recht einfach erklären: Während dem gemeinen Fußvolk einfache Ja-Nein-Antworten von Priestern mitgeteilt wurden, die eine Bohne aus einem Tongefäß zogen (weiß bedeutete ja, schwarz nein), durften Reiche und Adelige ihre Fragen direkt an Pythia richten, die in Form von Reimen antwortete. Auf der Suche nach Antworten verrieten nun sowohl Könige als auch Feldherren und mächtige einflussreiche Personen deren Geheimnisse und Pläne. Diese Informationen nutzten nun die Priester, um logische Schlussfolgerungen über zukünftige Entwicklungen in Griechenland zu ziehen.

Erste Hinweise der Nutzung des Ansatzes in der neueren Zeit stammen aus dem Jahr 1948. Damals wurde die Methode eingesetzt, um die Ergebnisse eines Hunde- oder Pferderennens vorauszusagen. In den 70er Jahren fand die Delphi-Methode dann auch eine Ausbreitung in der breiteren Öffentlichkeit.

Einsatz und Nutzen in der Neuzeit

Bei der Delphi-Befragung (auch Delphi-Studie oder Delphi-Verfahren) handelt es sich um ein systematisches Entscheidungsverfahren, bei dem Experten in mehreren Befragungswellen um ihre Einschätzung gebeten werden. Dadurch wird versucht, zukünftige Ereignisse oder Trends vorauszusagen, Lösungen für komplexe Probleme zu erarbeiten, neue Ideen zu generieren, weitreichende Entscheidungen zu treffen oder einfach Meinungen über einen unklaren Sachverhalt zu ermitteln. Die Delphi-Methode kann zu den strategischen Analyse-Tools gezählt werden.

Vorgehensweise

Zu Beginn sollten Sie definieren, was Sie eigentlich erreichen wollen: Was ist das Ziel Ihrer Befragung? Zu welchen Themen suchen Sie eine Einschätzung oder welche Lösungen sollen erarbeitet werden?

Erstellen Sie einen Fragebogen, den Sie entweder qualitativ, quantitativ oder eine Mischung aus beide Vorgehen aufsetzen.

Danach wählen Sie die geeigneten Experten zu einem jeweiligen Fachgebiet aus. Wichtig: Ein gewisses Mindestmaß an Fachwissen zum untersuchenden Gegenstand ist für das Gelingen einer Delphi-Befragung absolut notwendig. Ebenso ist vor allem die Anonymität der Experten untereinander besonders wichtig. Dadurch können Meinungsführerschaften vermieden und so ein nachträgliches Revidieren der eigenen Urteile ermöglicht werden.

Je nachdem ob die Delphi-Befragung qualitative und/oder quantitativ angelegt ist, variiert in der Literatur der empfohlene Umfang der Expertengruppe. Es gibt zwar keine empfohlene Obergrenze - diese ist immer auch abhängig von dem jeweiligen Thema - allerdings sollten es aus Zeit- und Kostengründen nicht zu viele Experten sein.
Die Anzahl der Befragungswellen ist zwar vom jeweiligen Ziel der Studie abhängig. Allerdings sollte ein minimaler Rundendurchgang stattfinden, um eine gewisse Genauigkeit zu garantieren.

Nun wird der vorher erarbeitete Fragebogen den teilnehmenden Experten am besten elektronisch zugeschickt. Eine Delphi-Befragungen wird meistens in mehreren Wellen wiederholt. Damit der Moderator den Verlauf der Meinungsbildung nachvollziehen kann, wird jeder Vorgang mit einer eigenen ID unterlegt.

Ein wichtiger Grundbestandteil von Delphi-Befragungen ist auch, dass Experten Feedback bzw. Informationen über die ausgewerteten Ergebnisse der vorangegangenen Befragungswelle(n) wie beispielsweise Durchschnittswerte, Extremwerte, verbale Äußerungen und Varianzen erhalten. Durch den Informationsaustausch nach jeder Befragungswelle soll eine möglichst hohe Übereinstimmung zwischen den Experten entstehen und damit eine höhere Sicherheit bzw. mehr Präzision bei der Prognose erreicht werden.

Eine Delphi-Befragung endet mit einem Abschlussbericht, in dem die Ergebnisse dokumentiert werden und weitere Empfehlungen für die Praxis abgeleitet werden können.

Fazit

Die Durchführung einer Delphi-Befragung ist relativ komplex und erfordert erhebliches Methodenwissen, um aus der Befragung auch Nutzen ziehen zu können. Eine echte Delphi-Befragung wird somit eher selten im Kontext eines Einzelprojekts durchgeführt (bzw. nur im Rahmen sehr großer Projekte), sondern sind eher projektübergreifende Initiativen. Delphi hilft dabei, ein gutes Bild über die Einschätzungen der Experten zu erhalten. Daraus können Rückschlüsse und mögliche Entwicklungen gewonnen werden.

Weiterführende Links

Gerstbach, I. (2017): 77 Tools für Design Thinker. Offenbach: GABAL Verlag.

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