DT83 Siezt du noch oder duzen Sie wieder?

"Ich kann mich nicht erinnern, dir das Sie angeboten zu haben“. Viele Menschen bevorzugen in vielen Situationen lieber Das Du als das Sie. Wann und warum sich in einigen Situationen das Sie besser als das du anbietet, erzählen wir hier.

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Das Sie garantiert nicht unbedingt einen respektvollen Umgang, genauso wie das Du diesen nicht automatisch untergräbt. So gibt es allerlei verschiedene Duzereien, die begrenzt sind: Das Wanderer-Du, das im Tal nicht mehr gilt, das Seminar-Du, das außerhalb der Räumlichkeiten erlischt, das KollegInnen-Du das angeblich mit der Arbeitskleidung abgelegt werden kann. Über Freundschaft odr gar Nähe sagt das alleine noch gar nichts aus. Je nach Situation und Umgebung (wie in einem schwedischen Möbelhaus) gilt das jugendliche Du als cool und unaufdringlich.
Trotzdem sorgte vor einiger Zeit der Vorstand des Versandhauses Otto, Hans-Otto Schrader, für mediales Aufsehen, als er seinen 53.000 MitarbeiterInnen das Du anbot. Und zwar so, dass sie kaum ablehnen konnten. Denn es geht nicht allein um Rang, Macht, sondern auch um den Ton, die Gestik und die Haltung des Sprechers.

Durch das Sie regeln wir vor allem die Distanz und diese ist ein grundlegendes Geschehen in sozialen Beziehungen.

Vorteile Duzen:

* Es wird eine gewisse Vertrautheit und Zusammengehörigkeit entwickelt
* Distanzen werden abgeschwächt (vor allem hierarchische)
* Fragen werden unbeschwerter gestellt
* Schnellere Integration in eine neue Abteilung/Unternehmen
* Partnerschaftliches Klima

Nachteile Duzen:

* Ein respektvolles Miteinander kann erschwert werden
* Pseudo-Vertrautheit, die eigentlich nicht existiert

Vorteile Siezen:

* Wirkt respektvoller und diskreter, gerade in Konflikten oder schwierigen Gesprächen
* Unterstützt ein freundlich-distanziertes Miteinander

Nachteile Siezen:

* Bei uneinheitlicher Praxis – duzen und siezen verschiedener Mitarbeiter – kann die Botschaft lauten, mit dem einen oder anderen nicht klar zu kommen
* Kann ablehnend (kontextabhängig) wirken

Warum Duzen wir in Design Thinking Jam Sessions?

1. DU macht uns alle zu „nur Menschen“

Siezen betont Distanz und Hierarchie. Aber genau in einem Umfeld, wo es um Wissen geht, brauchen wir Gleichwertigkeit.

2. Es macht die Welt einfacher

vor allem für die Nicht-Natives. Und man kann sich damit schneller verständigen.

3. Es ist unkomplizierter und entspannter

einfacher, unproblematischer, menschlicher, weil wir mit kindlicher Verspieltheit an unsere zwischenmenschlichen Beziehungen herangehen.

4. Es eliminiert Taktieren und politisches Verhalten

Gerade in komplexeren sozialen Systemen wie in Unternehmen führen unterschiedliche Anreden zu mehr Kompliziertheit und Unverständnis: „Mag der mich nicht?“ und „Wenn ich den im Meeting auf Englisch mit Vornamen angeredet habe, soll ich ihn jetzt auf Deutsch immer noch Siezen?“ All diese Überlegungen könnte man sich wie im Englischen beim Duzen weitestgehend sparen.

Regeln beim Wechseln von „Sie“ auf „Du“

Regeln gibt es auch, wenn jemand vom „Sie“ zum „Du“ wechseln möchte. Hierbei ist es entscheidend, dass der in der Firmenhierarchie höher Gestellte das „Du“ anbietet. Dies gilt grundsätzlich, anders als im privaten Leben, auch unabhängig vom Alter.

Sollte der Vorgesetzte das „Du“ anbieten, empfiehlt es sich, dem Angebot auch zu folgen. Ablehnen ist heikel und kann unter Umständen als Affront verstanden werden.

Umgekehrt bedeutet ein vorschnelles Duzen am Arbeitsplatz nicht unbedingt gleich ein freundschaftliches Miteinander. Auch ein „Sie“ kann das im Verhältnis Vorgesetze/Mitarbeiter oder Mitarbeiter/Mitarbeiter leisten.

Fazit

Respekt hängt nicht von der Anrede ab. Echte Wertschätzung ist Empathie, Zuhören und Verstehen. Wichtig ist, die richtige Anrede für die jeweilige Ansprache zu finden. Beschränken Sie sich deshalb nie nur auf die räumlich erfassbare Distanz, sondern berücksichtigen auch immer den Gesichtsausdruck, den Blickkontakt und auch die Gestik mitein.