Innovationsräume müssen alles andere als still, veraltet und modrig sein. Denn je heller und stimmungsvoller ein Raum ist, desto lieber arbeiten Menschen dort gemeinsam und desto kreativer werden die Ideen, die darin entstehen.

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Auch wenn es uns selten wirklich bewusst ist, wenn wir einen Raum betreten, die Architektur und auch die verschiedenen Elemente wie Licht, Geometrie und Material haben einen enormen Einfluss auf unsere Stimmung.

Generelle Architektur bzw. Zweckmäßigkeit

Trotz allem: Es mag offensichtlich erscheinen, aber selbst das schönste Gebäude ist weitgehend nutzlos, wenn es seine Funktion nicht erfüllt. Welchen Sinn hat eine atemberaubende Ästhetik, wenn die Person im Rauminneren von der Hitze in einem schlecht klimatisierten Raum erdrückt wird, oder es auch keine Möglichkeit gibt, sich innerhalb eines Raumes gut zu bewegen? Gerade deswegen sollte bei Räumen immer darauf geachtet werden, was der Zweck ist, wofür sie eingerichtet werden. Die Architektur ist wichtig, aber noch wichtiger ist die Ausstattung, die das körperlich und psychologische Wohlbefinden nachweislich fördert.

Licht

So helfen große Fenster, die ein natürliches Licht einströmen lassen, dabei, dass die Menschen auch die Welt draußen beobachten und trotzdem den Blick auf das richten, was im Inneren passiert. Sie sind zwar für den Moment vom Außen getrennt, aber das Licht hilft, die innere mit der äußeren Welt besser zu verbinden.
Zahlreiche Studien zeigen, dass Räume unsere Gesundheit und unser Wohlergehen beeinflussen. Moderne Menschen verbringen 90 Prozent ihrer Zeit drinnen - daher ist dieser Aspekt wichtiger denn je.
Natürliches Licht, zum Beispiel, kann helfen, dass sich Krankenhauspatienten schneller erholen und Schüler bessere Leistungen erbringen. So hat die Forschung gezeigt, dass sichtbares Licht dem menschlichen Körper hilft, die Produktion des Hormons Melatonin zu regulieren, was wiederum hilft, mehr auf unsere innere Körperuhr zu hören und so die Schlafmuster und die Verdauung positiv zu beeinflussen. Je natürlich heller ein Raum auch ist, desto mehr wird die körpereigene Produktion des Neurotransmitters Serotonin stimuliert. Dieses Hormon reduziert wiederum die Symptome einer Depression.

Unbewusste Wahrnehmung

Die Raumpsychologie geht davon aus, dass wir jeden Raum, den wir betreten, unbewusst in Sekundenbruchteil wahrnehmen und einschätzen. Dazu gab es ein Experiment, bei dem Teilnehmer nach dem Besuch eines wildfremden Büros die abwesenden Bewohner einschätzen sollten. Zur Einschätzung wurden lediglich Dinge wie Kaffeetassen, Papierstapel oder der Schreibtischstuhl herangezogen. Das Ergebnis: Die Art, wie wir unsere Umgebung gestalten, spiegelt unser Inneres wider.

Wenn Sie also wissen wollen, wie gewissenhaft, gebildet oder genau jemand ist, achten Sie auf den Raum und ob z.B. Bücher im Regal stehen oder ob der Schreibtisch z.B. aufgeräumt wirkt.  Bis zu 90% aller Mitarbeiter personalisieren ihre Büros - will man einer Studie der Eastern Kentucky Universität glauben. Die Gründe dafür sind unterschiedlicher Natur, aber in den meisten Fällen dient die Ausstattung vor allem dem eignen Komfort. Wir umgeben uns normalerweise am liebsten mit Dingen, die uns vertraut sind. Dadurch fühlen wir uns automatisch wohler und das fordert wiederum unsere Produktivität.

Markierung des eigenen Territoriums

Gleichzeitig markieren wir anhand der Platzierung der persönlichen Gegenstände unser Territorium. Laut einer Studie ist eine Einteilung in zwei grundsätzliche Objekttypen dabei sinnvoll:

1. Identitätskörper: Dabei drapieren die Raumbewohner bewusst die Sachen, um damit bestimmte Dinge auszudrücken (wie Bilder, Bücher etc.)
2. Verhaltensrückstände: Dabei kann man einen Rückschluss auf den Charakter des Bewohners ziehen (Chaos, Kinderzeichnungen etc.)

Kuriose Fakten

  1. Deckenhöhe: Ein besonderes Experiment zeigte bereits 2007, dass die Deckenhöhe das Denken der Menschen beeinflusst. Dazu wurden rund 100 Probanden in einem 2,50 Meter hohen und einem drei Meter hohen Raum gebracht, wo sie kreative Aufgaben lösen mussten. Das Resultat war verblüffend: Denn wer mehr Luft nach oben hatte, war deutlich kreativer und hatte kühnere Ideen. Die andere Gruppe in den niedrigeren Büros hatte dafür detailreichere und konkretere Ansätze.
     
  2. Kinderbilder: Das, was Kinder malen, strahlt eine gewisse Wärme, Fürsorge, Verantwortung und Verlässlichkeit aus. Aber es steht auch für Simplizität und jemanden, der nicht nur Zahlen und Geld im Kopf hat. Aber Achtung: Auch wenn es vielleicht dazu einlädt, aber die Bilder selbst sollten eingerahmt sein. Sind sie nur mit Tixo befestigt, gelten sie schnell als Symbol für Liederlichkeit und Wankelmut.
     
  3. Aktenordner: Zeigen nicht nur Struktur und Ordnung - aber erst, wenn auch gut lesbar bestimmte Stichworte zu erkennen sind wie "Budget" oder "Mitarbeiter". Die Botschaft dahinter lautet, dass hier jemand mit einer gewissen Wichtigkeit und Verantwortung arbeitet.
     
  4. Wandkunst: Abstrakte Bilder von zeitgenössischen Künstlern verdeutlichen die Offenheit und das frische Denken. Generell drückt die Wandkunst immer die eigene Individualität und Kreativität aus. Aber Achtung: Je protziger ein Bild z.B. ist, desto schneller gilt man selbst als großkotzig.
     
  5. Bücher: Das Buchregal lässt den Besucher schnell erkennen, was den Bewohner interessiert und womit er oder sie sich beschäftigt. Kunstbände spiegeln einen kreativen Charakter wieder, Fachbücher deuten auf einen Experten hin.
     
  6. Krimskrams: Dieser wirkt schnell unordentlich, unfokussiert und auch verspielt, wohingegen Reisesouvenirs und Statuen (am liebsten aus Fernost), das Arbeitsumfeld aufwerten und es in einen globalen Kontext rücken. Aber Achtung: Achten Sie darauf, dass Sie wirklich nur Originale einsetzen, zu denen Sie eine Geschichte haben. Deko-Accessoires aus dem Einrichtungshaus entlarven Sie als Angegeber und uninteressant.
     
  7. Zertifikate: Pokale, aber auch Dokumentationen über vergangene Erfolge und Ausbildungen deuten auf einen zielstrebigen und ehrgeizigen Menschen hin.
     
  8. Pflanzen: Stellen Sie große Pflanzen in Ihr Büro und pflegen Sie sie gut: Das strahlt Sorgfalt und Wachstum, aber auch Loyalität aus. Meiden Sie dabei aber Staubfänger wie den klassischen Gummibaum, der Ideenlosigkeit und den Geruch von Behörden verbreitet.
     
  9. Süßigkeiten: Eine Schale mit Süßigkeiten lädt ein und zeugt von einem extrovertierten, geselligen Charakter, der Lust auf Austausch hat.
     
  10. Stehmöbel: Stühle und Boards, die höhenverstellbar sind, drücken Kreativität und Dynamik aus.
     
  11. Farben:
  • Rot steht für Selbstbewusstsein, Stärke, Vitalität, Leidenschaft, Dynamik, Konkurrenz.
  • Blau strahlt Wohlbehagen, Ausgeglichenheit, Nachdenklichkeit und Bindung aus.
  • Gelb steht für Freiheitsstreben, Neugier, Spontaneität und Offenheit.
  • Grün für Selbstachtung, Ehrgefühl, Autorität und Geltungsanspruch.
  • Schwarz symbolisiert Leitungswillen, Unnahbarkeit, Ernst, Intoleranz und Auflehnung.
  • Braun dagegen Genuss, Sinnlichkeit, Sanftmut, aber auch Bequemlichkeit sowie Einfallslosigkeit.

Weiterführende Links

DT80: Räume im Design Thinking (mit gratis Download)
Der Design Thinking Space in Wien
Patenschaften

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