Anleitung: Den Podcast kostenlos abonnieren
Für Profis: RSS-Feed
Unterstützen Sie den Podcast mit einer Bewertung

Ein gut gemeinter Ratschlag, wenn es um die Entwicklung von Produkten und Services geht, lautet: Halte es einfach. Eh klar, aber spätestens bei der Umsetzung fragen sich die meisten, was mit einfach wirklich gemeint sein soll.

Wird aber Kunde nach seinem Kaufmotiv befragt, scheint häufig nicht der Preis oder wie ein Unternehmen mit dem Kunden interagiert zu entscheiden, sondern die Einfachheit, mit der Verbraucher zuverlässige Informationen über ein Produkt sammeln.

BJ Fogg Behavior Model.jpg

Die 6 Merkmale nach BJ Fogg

1. Zeit: Wenn Ihr Zielverhalten Zeit erfordert, die im Moment nicht verfügbar ist, dann ist die Umsetzung schlicht und ergreifend nicht einfach. Die besten Ideen scheitern letztlich daran, dass sie niemals umgesetzt werden - meistens, weil es eben an Zeit fehlt.
     
2. Geld: Es ist einfacher, jemanden zu buchen, der eine Aufgabe für einen übernimmt, als sich selber zunächst in das Fachgebiet einzulesen und dann noch die Tätigkeit auszuüben. Allerdings funktioniert das nur, wenn Sie das nötige Kleingeld haben. Fehlt es daran, dann ist es einfach nicht einfach, diese Dienstleistung in Anspruch zu nehmen.
     
3. Körperliche Anstrengung: In einen Laden zu gehen, um dort bequem ein Sofa zu kaufen, ist eine Sache. Eine ganz andere Sache ist aber, wie ich dieses Riesending in eine Wohnung bekomme. Eine Möglichkeit ist, Freunde um Hilfe zu bitten. Eine andere wäre es, den Lieferservice in Anspruch zu nehmen und das ganze gegen Bezahlung auszulagern. Über die Einfachheit entscheidet auch bei diesem Faktor sowohl die Fähigkeiten der Person als auch deren jeweilige Situation.
     
4. Gehirn-Zyklen: Menschen überschätzen oftmals den Aufwand, den ein gedanklicher Vorgang mit sich bringt: Nehmen wir an, Sie suchen als absoluter Einsteiger ein Programm, mit dem Sie visuell arbeiten können. Auch wenn dieses als damit beworben wird, intuitiv und damit einfach bedienbar zu sein, bedeutet das noch lange nicht, dass das für jeden - also auch für den absoluten Laien - gelten mag. Sie können aber auch ein individuelles Programm in Auftrag geben, das dann genau das macht, was Sie wollen, wie Sie wollen. Das hängt wiederum davon ab, was Sie letztlich zahlen können und möchten. Die Abwägung liegt also auch hier wieder bei der jeweiligen Person und deren speziellen Umstände. Welches Szenario ist für mich als Kunde in meiner speziellen Situation einfacher: Ein fertiges Produkt zu kaufen und mich intensiv damit auseinanderzusetzen oder es angepasst an meine eigenen Bedürfnisse entwickeln zu lassen?
     
5. Soziale Devianz: Dieser Faktor beschäftigt sich mit den gesellschaftlichen Regeln und Normen: Entspricht die Lösung den vorherrschenden gesellschaftlichen Normen? Es wäre viel bequemer und damit einfacher auf den Empfang im bequemen Jogginganzug aufzutreten. Die anderen Gäste würden aber diese Entscheidung vermutlich in Frage stellen.
     
6. Nicht-Routine: Der Bäcker meiner Wahl liegt zwar am anderen Ende der Stadt und ich habe keine Ahnung, wie ich eigentlich mit dem Auto dorthin gelange, allerdings hat er das beste Brot. Geht es mir nur darum, irgendein Brot, das sicher auch gut ist, aber eben nicht das beste, für den Notfall Zuhause zu haben, dann gehe ich lieber wie jeden Tag zum Bäcker, der direkt in meiner Straße liegt.

Fazit

Je nach Situation und den eigenen Umständen gewichtet und ordnet der Kunde diese verschiedenen Faktoren anders ein. Einfachheit hängt eben nun mal von der speziellen Situation und dem konkreten Umstand ab. Als Innovateure reicht es also nicht, nur zu sagen, dass jede Lösung so einfach wie möglich sein sollte. Denn die Frage ist, was "einfach" im jeweiligen Kontext bedeutet. Um nicht unnötige Runden zu drehen, fragen Sie deswegen immer im Vornhinein, was Einfachheit in dem jeweiligen Kontext bedeutet, indem Sie konkrete Situationen individuell ansehen und deren Faktoren hinterfragen.

Weiterführende Hinweise

BJ Foggs Behaviour Modell
Den Kunden besser verstehen: DT74: Shadowing
DT56: 3 Tipps für gelungene Innovationen
DT49: Get out of the house
Denken wie ein Designer