Anleitung: Den Podcast kostenlos abonnieren
Für Profis: RSS-Feed
Unterstützen Sie den Podcast mit einer Bewertung

Prototyping ist einer der wesentlichsten Schritte im gesamten Design Thinking Prozess. Gemäß dem Motto "Fail often - to succeed sooner" geht es darum, die Dinge auszuprobieren. Nicht die Perfektion steht im Mittelpunkt, sondern die Funktion. Noch bevor viel in Zeit und Geld investiert wird, soll getestet werden, wie sinnvoll es ist, eine konkrete Idee umzusetzen.

In der Theorie so logisch und klar, lockt dann gerade in der Praxis die Versuchung, den ersten Entwurf eines Prototyps lieber mit den eigenen Freunden zu diskutieren, als Fremde damit zu behelligen. Aber nicht nur die eigene Schüchternheit oder Bequemlichkeit schützt davor, wirklich hinaus zu gehen und zu fragen. Oftmals betrifft der Prototyp den eigenen Freundeskreis oder man selber sieht sich als Teil der Zielgruppe/Nutzer. Auch wenn die Versuchung noch so groß ist: Ich rate Ihnen dringend, bei der Auswahl unserer Testpersonen trotzdem immer auf Freunde und Verwandte verzichten!

Auf der Suche nach Antworten

Für gewöhnlich ist die Prototyping Phase eine der letzten Phsaen im gesamten Prozess. Dementsprechend wurden schon viele Informationen über die Nutzer, die Bedürfnisse, das Verhalten etc. eingeholt. Die ersten Ideen wurden auch schon bereits geboren. Diese gilt es nun zu visualisieren, um sie dann dank dem Feedback der Nutzer zu perfektionieren.

Wer ist die Zielgruppe?

Überlegen Sie sich zunächst detailliert, was Sie eigentlich mit dem Ihrem Prototyp testen möchten. Auf welche Fragen suchen Sie Antworten? Was ist der eigentliche Prototyp, was erwarten Sie als Ausgang?

Die Antworten, die Sie erhalten, sind immer so gut, wie die Fragen, die Sie stellen. Achten Sie also darauf, möglichst detailliert und genau zu fragen.

Die Befragung des Mister oder der Misses Anonymus

Haben Sie grundlegende Fragen zur Usability, wie ob ein bestimmtes Vorgehen logisch ist oder ob Schritte übersehen wurden, müssen Sie nicht nur die Zielkunden fragen, sondern können generell breiter denken. Je konkreter allerdings die Fragestellung wird wie nach Optimierungen von Workflows oder Motivationen, Gewohnheiten etc. desto genauer muss die Zielgruppe mit der Fragestellung matchen.

In ersterem Fall, also bei Usability-Fragen, können Sie im Ausnahmefall (wenn Sie z.B. sofort Feedback brauchen, es keinen Handyempfang gibt oder Sie gerade im Lift eingesperrt sind) Feedback von Freunden und Familien einholen - solange diese ähnliche Eigenschaften wie Ihre Zielgruppe besitzen! Sobald aber spezifisches Fachwissen oder Erfahrung von Nöten sind, ist es unumgänglich, dass die Testperson dieses Know-how ebenfalls hat. Andernfalls riskieren Sie, dass die Aussagen Sie in die Irre führen!

Aber auch Gesetz den Falles, dass Ihre Bekannten und Verwandten dieses Know-how tatsächlich besitzen und wirklich auch Zielgruppe sind, ist es besser, dass Sie das Feedback von außen einholen: Denn fremde Menschen sind in der Regel ehrlicher und direkter mit ihrem Feedback, als Menschen, die Sie länger und besser kennen. Oft wollen sie Sie nicht verletzen und glauben Ihnen vielleicht einen Gefallen zu tun, wenn Sie Ihnen sagen, was Sie vielleicht hören wollen.

Williges Opfer

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass Sie niemals die gleichen Personen mehrfach um Ihre Meinung bitten sollten. Beim Prototyping geht es darum, eine Stichprobe aus einer Vielzahl von repräsentativen Nutzern zu erhalten. Und die bekommen Sie dann, wenn Sie auch viele verschiedene Personen fragen.

Wiederholung machen auch betriebsblind. Die Menschen werden mit dem Prozess vertraut und reagieren (unbewusst) nur mehr auf die Neuerungen. Damit untergraben Sie Ihre eigenen guten Absichten und Arbeit.

Keine Ausreden mehr

Ich gebe es zu: Es ist manches Mal wirklich eine Herausforderung, ausreichend Tester und Nutzer in bestimmten Gebieten zu finden. Aber dafür gibt es eine einfache Lösung: Sehen Sie sich neue Methoden und Tools an, die Ihnen helfen, Feedback von räumlich entfernten Menschen einzuholen. Gerade bei allgemeineren Themen ist es einfach, eine Vielzahl an Teilnehmern zu finden, die gerne Live-Interviews über GoToMeeting, iChat oder Google Hangouts Rede und Antwort stehen. Auch wenn Sie mobile Prototypen testen wollen, gibt es dazu Lösungen. Bitten Sie Ihre Teilnehmer, Screensharing oder Webcams zu erlauben. Oder Sie verwenden Tools wie usertesting.com, um direkt am Desktop zu testen.