DT107: Survivorship Bias im Design Thinking

Lassen Sie sich nicht vom Erfolg blenden

Das Missverständnis: Nehmen Sie sich nur erfolgreiche Unternehmer als Vorbild, wenn Sie selbst erfolgreich werden wollen.
Die Wahrheit: Wenn Versagen ausgeblendet wird, führt der Unterschied zwischen Versagen und Erfolg schnell in die Irre.

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Meistens beurteilen wir eine Situation aufgrund erfolgreicher Beispiele. Wir sehen dabei aber oft nur die eine Seite der Medaille. Zum Beispiel beneiden wir den Geschäftsmann, der reich wurde, Wein im Tetrapack zu verkaufen. Wie viele Menschen davor aber mit derselben Idee gescheitert sind, sehen wir dabei nicht.

Diese Wahrnehmung führt zu unrealistischen Erwartungen. Wir erwarten, das Unmögliche möglich zu machen und "es“ auf Anhieb zu schaffen. Was diese Erwartungen im Einzelnen bedeuten, variiert natürlich von Mensch zu Mensch und von Branche zu Branche. Aber nach meiner Erfahrung mit ehrgeizigen Unternehmern ist das Verständnis von Erfolg bei den meisten die Erwartungshaltung, dass es nur die richtige Idee braucht, monumentale Erfolge einfahren zu können.

Dieses Missverständnis wirkt sich allerdings nachteilig auf die Idee des Unternehmertums aus. Es entsteht dadurch eine Kultur des Überlebensverhaltens und bringt Visionäre als das Rückgrat des Startup-Zeitalters hervor.

Woher kommt diese Perspektive?

Begrenzte Sicht auf Unternehmerpersönlichkeiten

Zum einen ist es eine äußerst begrenzte Sicht dessen, was es braucht, um erfolgreich als Unternehmer zu sein. Nicht jeder Mensch ist zum Unternehmer geboren.

Die brilliante Idee?

Bei jedem offenen Kurs, den wir anbieten, ist immer mindestens eine Person dabei, die davon überzeugt ist, dass die eigene brillante Idee ihn oder sie sehr erfolgreich machen wird bzw. dass es reicht, dem Ruf der Vision zu folgen und alles wird gut.

Harte Arbeit...

Erfolg ist aber ein langer Weg, der nur in den allerseltesten Fällen ein gerader ist. Es gehören viele (mehr oder weniger harte) Lerneinheiten, Ausprobieren, Verstehen, Hinterfragen und vor allem ein großartiges Team dazu.

Gesichter erfolgreicher Unternehmer

Mark Zuckerberg, Elon Musk und Steve Jobs sind und können nicht die einzigen Gesichter eines erfolgreichen Unternehmers sein. Denn nur die wenigsten Unternehmer haben so ein Image oder sind einen ähnlichen Weg gegangen. Im Wahrheit ist der Erfolg eines Steve Jobs größtenteils einer Kombination aus Glück und Talent zu verdanken. Am Ende des Tages sind solche Persönlichkeiten nichts weiter als extreme Ausreißer, die nur einen Mikrokosmos derjenigen präsentieren, die versuchen, in ihre jeweiligen Bereiche erfolgreich zu sein.

Und noch etwas wird dabei gerne übersehen: All diese Persönlichkeit verbindet, dass sie berufliche Niederlagen einstecken mussten. Wussten Sie z.B. dass Lincoln zahlreiche Wahlkämpfe verlor, bevor er Präsident wurde? Oder das Astrid Lindgren keinen Verleger für "Pippi Langstrumpf" fand? Steve Jobs wurde sogar von der Firma, die er selbst gegründet hatte, gekündigt. Misserfolge und Niederlagen gehören einfach zum Erfolg dazu.

Scheitern

Nur wenige Unternehmen oder Start-ups sind jemals gewachsen, ohne in irgendeiner Eigenschaft zuerst zu versagen. Und das bedeutet nicht immer pauschales, destruktives Versagen, von dem man sich nicht mehr erholt. Es bedeutet, dass die ersten Ideen meist weit entfernt von dem ist, was es letztlich wird.

Der Fokus auf die großen Erfolgsgeschichten und die seltenen Einhörner unterminiert jedoch die wichtigen Lehren und Wege, die Unternehmer aus ihren Misserfolgen mitnehmen. Innovation ist keine gerader Weg. Es ist voll von Abzweigungen, Irrwegen und Versuchungen.

Bedürfnisse verstehen

Oft fehlt es gerade dem Verständnis und Wissen um die wahren Bedürfnisse der Kunden und Nutzer. Im Allgemeinen entsteht eine Vision eines Start-ups nur im Kopf bzw. ist das Interesse einer einzelnen Person. Unternehmen, die bereits existieren, bemühen sich im Gegensatz, die Bedürfnisse vieler zu erfüllen und in diesem bereits vorhandenen Raum zu innovieren. Das Wissen um die eigenen Bedürfnisse und die eigene Vision ist einfach kein guter Indikator dafür, erfolgreich zu werden.

Wenn Menschen - sei es ein Marktsegment oder eine Zielgruppe - nicht wollen, was Sie verkaufen, dann haben Sie einfach keine Chancen. Selbst die klügsten angehenden Unternehmer sind anfällig dafür, in ihre eigenen Vorstellungen davon, was sie und ihr Startup sein müssen, sich zu verstricken und dabei den wichtigsten Teil zu vergessen: ein echtes Problem für einen echten Markt zu lösen.

Und jetzt?

Vergessen Sie deswegen nicht darauf, Lösungen für Probleme, die es wirklich gibt und die wichtig für viele Menschen sind, zu erarbeiten. Diese Sichtweise ist vom unschätzbaren Wert, wenn Sie erfolgreich sein wollen. Um das zu erreichen, was Sie tun möchten, müssen Sie nicht dem Traum folgen, ein Visionär zu sein und alles alleine zu machen. In der Tat wird es Sie viel wahrscheinlich stressen und zurückhalten. Und auch diese bereits erwähnten Ausreißer wie Jobs oder Musk sind niemals den Weg alleine gegangen.

Starten Sie damit, Ihre Fähigkeiten früh und oft in der Praxis auszuprobieren, schnell eine Idee zu entwickeln, mit anderen zusammenzuarbeiten und die Bedürfnisse und Probleme Ihrer Kunden zu entdecken. Erleben Sie bewusst Misserfolge und zwar viele davon, damit sie schnell verstehen, welche Dreh- und Anpassungsmaßnahmen Sie an Ihrer Strategie vornehmen müssen, um erfolgreich zu sein.

Und starten Sie damit, Ihre Geschichten vom Versagen, von Veränderung und von Lernen auch mit anderen zu teilen. Denn das ist das, was junge Unternehmer hören müssen und was sie alle selbst erfahren werden. Weil es ihnen hilft, ihre individuellen Wege als Unternehmer zu gehen und eigene Erfolge zu finden.

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