DT102: Der Fluch der Aufschieberitis

Wie wir uns selbst davon abhalten, produktiv zu sein

Eine lange To-Do-Liste, alle Punkte mit höchster Priorität und eine große Portion Motivation - viele starten so in die Arbeit. Aber irgendwie läuft es dann doch nicht so und die ersten Ablenkungen schleichen sich ein. Ein Kollege, der kurzzeitig Unterstützung braucht, eine E-Mail, die unbedingt gleich beantwortet werden muss und der Chef, der eine Frage hat. Aufschieben ist allgegenwärtig und so verlockend…

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Es ist spät abends und die Uhr tickt. Sie arbeiten wie ein Verrückter, um eine Aufgabe noch vor Ablauf der Frist fertigzustellen. Dabei verfluchen Sie sich selber, weil Sie wieder mal nicht rechtzeitig begonnen haben. Statt sich hinzusetzen und einfach zu arbeiten, ist plötzlich alles wichtiger gewesen: Die E-Mails, die seit Wochen herumliegen, die Vorbereitung auf ein Event, das in ein paar Monaten erst stattfinden soll, sogar das Aufräumen schien wesentlich interessanter zu sein. Was ist schiefgelaufen? Klingt bekannt? Wenn ja, dann willkommen! Sie befinden sich in bester Gesellschaft...

Aufschieben ist eine Falle, in die viele von uns tappen. Es mag tröstlich sein zu wissen, dass Sie nicht alleine damit sind. Aber im Grunde wird es dadurch doch nicht besser.

Entscheiden Sie sich für angenehmere Aufgaben als für Aufgaben mit hoher Priorität? Ist Aufschub das Gleiche wie Faulheit?

Aufschieben ist tatsächlich ein aktiver Prozess - Sie entscheiden sich für etwas Anderes anstatt für die Aufgabe, von der Sie wissen, dass Sie sie tun sollten. Im Gegensatz dazu ist Faulheit Apathie, Untätigkeit und Handlungsunwilligkeit.

Aufschieben bedeutet normalerweise, eine unangenehme, aber wahrscheinlich wichtigere Aufgabe zu ignorieren, zugunsten einer, die angenehmer oder einfacher ist.

Aber diesem Impuls nachzugeben, kann schwerwiegende Folgen haben. Zum Beispiel kann selbst kurzfristiges Aufschieben zur Folge haben, dass wir uns schuldig fühlen oder wir uns schämen. Das wiederum führt zur verringerter Produktivität und wiederum dazu, dass wir unsere Ziele nicht erreichen.

Wenn wir über einen langen Zeitraum Dinge hinausschieben, werden wir demotiviert und desillusioniert. Das wiederum führt im Extremfall zu Depressionen und sogar zum Verlust von Arbeitsplätzen.

Wie Sie die Aufschieberitis überwinden können

Wie bei den meisten Gewohnheiten ist es auch möglich, die Aufschieberitis zu überwinden.

Schritt 1: Erkennen Sie die Ursache

Sie schieben möglicherweise eine Aufgabe vor sich her, weil Sie Ihre Arbeit neu priorisieren müssen. Wenn Sie eine wichtige Aufgabe aus einem wirklich guten Grund kurzzeitig nach hinten schieben, dann schieben Sie noch nicht unbedingt etwas auf. Wenn Sie jedoch beginnen, Dinge auf unbestimmte Zeit zu verschieben, oder den Fokus zu wechseln, weil Sie etwas vermeiden wollen, dann sprechen wir von Aufschieberitis.

Aufschieben ist, wenn

  • Sie den Tag mit Aufgaben mit niedriger Priorität füllen.
  • Dinge ewig auf der To-Do-Liste vor sich herschieben
  • E-Mails mehrmals gelesen werden, ohne sich zu entscheiden, was Sie damit machen sollen.
  • Eine Aufgabe mit hoher Priorität gestartet wird, nur um dann gleich danach eine Kaffeepause einzulegen.
  • Sie Ihre Zeit mit unwichtigen Aufgaben füllen, anstatt sich mit den wichtigen Aufgaben zu beschäftigen, die bereits auf Ihrer Liste stehen.
  • Sie warten, bis Sie in der richtigen Stimmung sind, oder auf die richtige Zeit warten.    

Überlegen Sie, warum Sie bestimmte Aufgaben vermeiden: Ist es langweilig oder unangenehm? Wenn dies der Fall ist, ergreifen Sie Maßnahmen, um diese unangenehmen Begleiterscheinungen schnell aus dem Weg zu räumen, so dass Sie sich auf die Aspekte Ihrer Arbeit konzentrieren können, die Ihnen mehr Spaß machen.

Auch eine schlechte Organisation kann zu einem Aufschieben führen. Organisierte Menschen überwinden dies erfolgreich, weil sie priorisierte To-Do-Listen verwenden und Zeitpläne erstellen. Aber selbst wenn Sie organisiert sind, können Sie sich von einer Aufgabe immer noch überwältigt fühlen. Vielleicht haben Sie Zweifel an Ihrer Fähigkeit oder haben Angst vor einem Scheitern, also schieben Sie es auf und suchen Trost bei einer Tätigkeit, von der Sie wissen, dass Sie in der Lage sind, sie zu erfüllen.

Manche Menschen fürchten Erfolg genauso wie Misserfolg. Sie denken, dass der Erfolg dazu führen wird, dass sie mit Anfragen überfordert werden, mehr Aufgaben zu übernehmen.

Überraschenderweise sind Perfektionisten oft Aufschieber. Oft vermeiden sie lieber eine Aufgabe, von der sie das Gefühl haben, dass sie nicht die nötigen Fähigkeiten dazu haben, als diese unperfekt zu erledigen.

Ein weiterer Grund für das Aufschieben ist die Entscheidungsschwäche. Wenn Sie sich nicht entscheiden können, was Sie tun sollen, werden Sie wahrscheinlich nie etwas unternehmen.

Schritt 2: Anti-Aufschieberitis-Strategien annehmen

  • Aufschieben ist eine Gewohnheit - ein tief verwurzeltes Verhaltensmuster. Das bedeutet, dass Sie es nicht über Nacht ändern werden können. Gewohnheiten hören erst auf, Gewohnheiten zu sein, wenn Sie denen nicht mehr nachgehen. Wie bei so vielen anderen Strategien auch, ist die einzige Chance, sich eine andere Gewohnheit zuzulegen.
     
  • Seien Sie auch nicht zu streng mit sich selber und verzeihen Sie sich, dass Sie in der Vergangenheit aufgeschoben haben. Studien zeigen, dass Selbstvergebung hilft, positiver über sich selbst zu denken und die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Aufschiebens in der Zukunft reduziert.  
     
  • Übernehmen Sie die Aufgabe bewusst. Konzentrieren Sie sich darauf etwas zu erledigen und nicht es zu vermeiden. Notieren Sie sich die Aufgaben, die Sie erledigen wollen und setzen Sie sich selbst auch einen Termin. Das wird Ihnen helfen, Ihre Arbeit proaktiv anzugehen.
     
  • Belohnen Sie sich. Wenn Sie eine schwierige Aufgabe pünktlich abgeben, belohnen Sie sich. Und nehmen Sie wahr, wie toll es ist, wenn Sie etwas erledigt haben.   
     
  • Bitten Sie jemanden, Sie an Ihre Abgabe zu erinnern. Gruppendruck funktioniert. Das ist das Prinzip hinter Selbsthilfegruppen.   
     
  • Reden Sie freundlicher zu sich selbst. Sätze wie "müssen" bedeuten zum Beispiel, dass Sie keine Wahl haben, was Sie tun. Das kann dazu führen, dass Sie sich entmachtet fühlen. Wenn Sie jedoch sagen: "Ich möchte" bedeutet das, dass Sie selbst mehr Kontrolle über Ihre Arbeit haben.   
     
  • Minimieren Sie Ihre Ablenkungen: Schalten Sie Ihre E-Mails und sozialen Medien aus und vermeiden Sie es, während der Arbeit in der Nähe eines Fernsehers zu sitzen!

Schritt 3: Bedenken Sie mögliche Folgen!

Eine andere Möglichkeit, eine Aufgabe interessanter zu gestalten, besteht darin, die unangenehmen Folgen zu erkennen, die entstehen, wenn Sie die Aufgabe weiterhin verzögern.  Was passiert zum Beispiel, wenn Sie die Arbeit nicht abschließen? Wie beeinflusst das Ihre persönlichen, Team- oder Unternehmensziele?

Gleichzeitig kann es nützlich sein, die Aufgabe neu zu definieren, indem man ihre Bedeutung und Relevanz betrachtet. Das erhöht den Wert und macht die Arbeit lohnender. Es ist auch wichtig zu erkennen, dass wir die Unannehmlichkeiten einer Aufgabe oft überschätzen. Meistens ist es gar nicht so schlimm, wie Sie denken.

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