Von Ingrid Gerstbach

Gut mit Menschen zu arbeiten, die vollkommen andere Sichtweisen, Erfahrungen, Meinungen und Werte haben, kann zur wirklichen Challenge mutieren. Denn genetisch bedingt suchen wir uns bereits unbewusst diejenigen als Partner aus, die uns im Denken und Handeln sehr ähnlich sind.

Gerade als Design Thinker setze ich auf die Mischung von Menschen und deren unterschiedliche Sichtweisen, um möglichst viele verschiedene Betrachtungen und Ansichten abzufangen. Unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Lebenserfahrungen und unterschiedlichen Erfolgserlebnissen treffen zur Durchführung einer neuen Teammission aufeinander. Angesichts der Komplexität der Bildung eines Teams, einschließlich der bewussten oder unbewussten Entwicklung von Teaminteraktionsrichtlinien, grenzt es manches Mal schier an ein Wunder, wenn ein funktionierendes Team entsteht.

So zeigt die Forschung, dass Folgendes passiert, wenn Sie eine Gruppe von Menschen vermischen, die nicht unbedingt alle ähnliche Verhaltensweisen und Interessen teilen: Wann immer wir auf Menschen treffen, die nicht so sind wie wir, schüttet der Neurotransmitter Oxytocin statt einer Flut Wohlfühlhormone Argwohn und Verachtung aus. Keine einfache Ausgangslage, wenn es gilt, ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Hier sind drei Tipps, wie es doch gelingen kann:

1. Suchen Sie Ihr Gegenüber außerhalb der Komfortzone

Der Wunsch, die Welt zu verändern, ist zwar ein erstrebenswertes Ziel. Aber um die Dinge dauerhaft zu verändern, gehören vor allem die unterschiedlichen Komponenten und Sichtweisen gesehen und einbezogen. Solange Sie in Opposition bleiben, werden Sie nichts erreichen. Es geht also darum, dass Sie zuerst das gemeinsame Ziel finden, auch wenn das Gespräch anfangs etwas unangenehm sein könnte. Das bedeutet, dass Sie Ihre Komfortzone verlassen, um mit Leuten zu sprechen, mit denen Sie sonst nicht ganz einverstanden sind. Dabei geht es aber nicht darum, eine Diskussion zu gewinnen, sondern ein gemeinsames Ziel zu erreichen, das alle bewegt.

Das Finden von Gemeinsamkeiten verändert das gesamte Denken und Handeln. Statt die Gegenseite als Widersacher zu enttarnen, wird sie zur notwendigen Komponente für die Zielerreichung. Es gibt nichts Besseres, das Menschen einander näher bringt, als ein gemeinsamer Feind.

2. Beginnen Sie bei dem, was Sie letztlich erreichen wollen

Um der möglicher negativer Dynamik entgegenzuwirken, hilft es, ein gemeinsames Problem zu finden, dass alle Beteiligten lösen wollen. Das Endprodukt ist dann nicht nur eine neue oder nachhaltige Lösung, sondern vor allem ein neues Verständnis aller Projektbeteiligten. Wenn Sie gemeinsam an einer Herausforderung arbeiten, können Sie so ganz schnell die ärgsten konträren Grenzen überwinden.

3. Finden Sie Gemeinsamkeiten

Die Erweiterung des Kreises potenzieller Verbündeter, sind ein wichtiger Teil, um erfolgreich Projekte abzuschließen. Obwohl verschiedene Gruppen unterschiedliche Argumente, Handlungen und Sichtweisen bevorzugen, ist es die Vielfalt der Meinungen, die letztlich das Ergebnis tatsächlich stark und einzigartig macht.

Herausforderung als Klebstoff

Entscheidend für das Verhältnis innerhalb einer Gruppe und für deren Zugehörigkeitsgefühl und Leistung ist, was die jeweilige Gruppe als ihren gemeinsamen Zweck bzw. ihre Aufgabe sieht. Wenn das Team sich gemeinsam einer herausfordernden Aufgabe stellen soll, ist das Team weder ziellos noch selbstzufrieden, sondern wächst schnell zusammen. Denn es gibt nichts Besseres, das mehr zum Zusammenhalt einer Gruppe führt, als eine Herausforderung, bei der der einzelne erkennt, dass sie nur dann bewältigt werden kann, wenn sie gut zusammenarbeiten. Einzelleistungen sind dabei nichts wert, denn eine individuelle Profilierung geht dann zu Lasten der anderen Teammitglieder - und das ist alles andere als hilfreich. Denn erfolgreiche Teams machen ein Unternehmen erst zu dem, was es letztlich ist.

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