Von Ingrid Gerstbach

Menschen lieben Geschichten. Wir lieben Geschichten, die von besonderen Menschen erzählen wie Thomas Edison, Steve Jobs oder James Dyson. Diese Geschichten erzählen den Mythos vom einsamen Helden, der durch Beharrlichkeit und Ausdauer echte Innovationen erschaffen hat.

Es besteht kein Zweifel daran, dass einzelne Personen eine Art Katalysator für Innovation sind. Bei vielen bahnbrechenden Erfindungen stehen charismatische Menschen im Mittelpunkt, die eine Vision hatten. Aber trotzdem ist es ein Irrglaube davon auszugehen, dass wirkliche Innovation das Ergebnis einer Einzelperson ist. So steht zwar Thomas Edison als Sinnbild für viele wichtige Entdeckungen, aber er arbeitete zusammen mit anderen Menschen in einem großen Labor. Oder denken Sie an Steve Jobs, der zwar die Visionen hatte, aber vor allem die Fähigkeit besaß, Menschen zu finden, die ihm halfen, diese Vision auch Realität werden zu lassen und gemeinsam an der Entwicklung zu arbeiten.

Ideen alleine sind wertlos

In der Welt schwirren eine Menge an tollen und großartigen Ideen herum. Nur taugen diese Ideen alle nichts, wenn sie nicht umgesetzt werden. In der Wissenschaft müssen Experimente durchgeführt werden, um Hypothesen zu testen, die aus Theorien stammen. Solche Experimente sind zeitaufwändig und benötigen oft noch weitere Entwicklungen, bevor überhaupt Messungen durchgeführt werden können. Sie verlangen den Menschen ab, dass dazu tatsächlich Beobachtungen durchgeführt wurden. Genauso wie bei der Entwicklung von Produkten. Am Anfang steht zwar immer ein Problem, das beobachtet wurde. Aber danach muss verstanden werden, was Menschen tatsächlich machen. Ideen entwickeln sich immer weiter. Bei diesem komplexen Vorgang wird untersucht, wie sich Hypothesen verändern. Oft arbeitet die Welt anders als wir zunächst denken und so gibt es eine enorme Menge an Entdeckung, die erst im Laufe der Zeit passiert. Das erfordert Ausdauer und Motivation, Beharrlichkeit und das Wissen von blinder Flecken.

Gute Ideen entstehen in der Zusammenarbeit

Ein wichtiger Grund, warum bei jeder wirklichen Entwicklung, Erschaffung oder auch Erforschung Teams und nicht Einzelpersonen im Mittelpunkt befinden, ist, dass viele Probleme innerhalb eines Systems entstehen und dort auch gelöst werden müssen. Die meisten Probleme sind komplexer Natur und das bedeutet, dass es ein Verständnis der Wechselwirkungen der verschiedenen Faktoren bedarf - nicht nur das Wissen über einen einzigen Bereich.

Probleme, die komplexer Natur sind, zeichnen sich durch unterschiedliche, unangenehme Eigenschaften aus, die meistens die Verarbeitungskapazität eines einzelnen überfordern würden. So ist das Lösen eines Puzzles ein überschaubares Problem, dessen Ergebnis von einigen wenigen Variablen abhängt und das durch Herumprobieren gelöst werden kann. Aber die Frage nach der Lösung für das Klimaproblem, erfordert deutlich mehr Kapazität. Alleine die Analyse komplexer Probleme läuft Gefahr, veraltet zu sein, weil der Prozess dynamisch ist. Um solche Probleme zu lösen, braucht es vor allem Information. Das bedeutet, dass die Lösung eines komplexen Problems verschiedene Personen mit speziellem Fachwissen erfordert, die bereit sind, zusammen zu arbeiten und so ihr Wissen zu bündeln.

Eine gute Möglichkeit, Probleme zu lösen, liegt darin, dass Analogien zu anderen Fachbereichen gezogen werden. Oft finden wir Parallelen zwischen Mechanismen in verschiedenen Bereichen, die dabei helfen, die Implikationen dieser Ähnlichkeiten zu verstehen.

Diskussion drängt uns an unsere Wissensgrenzen

Ein anderer Faktor, warum Teams für Innovationen entscheidend sind, ist, dass Diskussionen und Reflexionen erst den Prozess der Ideen antreibt. Es ist nie ein einzelner Blitz, der ein geistiges Feuer entfacht. Große Ideen entstehen nicht in einem einzigen Aha-Moment, sondern sind Folge vieler, kleiner Schritte davor. Erst Diskussionen mit anderen feuern und treiben unsere Ideen an und verbessern sie. Das gelingt am besten, wenn Menschen zusammenarbeiten, die Respekt füreinander haben, aber dennoch unterschiedlicher Meinung sind und nicht jeder Interpretation nahtlos zustimmen. Meinungsverschiedenheiten fördern Ideen, verfeinern sie und erweitern sie um wertvolle, weitere Einsichten und Erfahrungen.

Lernen Sie Teamarbeit richtig kennen und lieben

Teamarbeit ist also unglaublich wichtig. Und trotzdem lernen wir selten, wie wir in Teams gut zusammenarbeiten können. In der Schule gibt es nur selten Gruppenarbeiten, im Studium sind die meisten Noten Ergebnisse von vielen verschiedenen Einzelarbeiten. Verstehen Sie mich nicht falsch - es ist sicher wichtig zu lernen, alleine zu arbeiten. Wir lernen so auch, dass wir Verantwortung für unser eigenes Tun und Handeln übernehmen müssen. Es hilft uns dabei, uns zu entwickeln und unseren eigenen Weg zu finden.

Aber das Arbeiten im Team ist eine Fähigkeit, die sich lohnt zu lernen. Wir sind gewohnt, dass wir Einzelnoten bekommen und nicht der Erfolg des Teams zählt. Es gilt, Teamarbeit aktiv zu fördern und unseren Kindern bereits in der Schule beizubringen, wie sie andere finden, die das nötige Fachwissen haben, um ein Projekt abzuschließen. Oder wie sie Gruppen strukturieren und organisieren, um wirklich vorwärts zu kommen.
Probleme zu lösen fängt zwar beim Hinterfragen des eigenen Standpunktes und der eigenen Fähigkeiten an. Aber das geht am besten, wenn man sich gemeinsam traut, Fehlern zu machen, Hypothesen spielerisch ausprobiert, Verhalten kritisch beobachtet und dieses neue Wissen mit anderen reflektiert. Die Welt steht vor immer komplexeren Problemen - wir müssen lernen, diese zum Wohle aller zu lösen.