Von Ingrid Gerstbach

Haben Sie sich als Unternehmer oder Führungskraft schon mal Gedanken gemacht, ob Sie Ihren Mitarbeiter auch die Bedingungen bieten, um eigenständiges Denken und Handeln überhaupt zu ermöglichen? Studien zeigen es eindeutig: Ohne Transparenz ist es nicht möglich, Menschen die Umgebung zu ermöglichen, in der das Gehirn und vor allem Leistung in Höchstform kommt.

Menschen werden unter Druck nicht zu Diamanten

In einer umfassenden Studie untersuchten die Forscher die Frage, ob die Philosophie "Kein Druck, kein Diamant" auch umlegbar ist auf "Kein Stress, keine gute Arbeit". Am Beispiel eines Unternehmens, das in der Übernahmephase durch ein anderes Unternehmen steckte, zeigten die Forscher, was der Stress bei den Mitarbeitern, die nicht übernommen werden sollten, verursacht hat. Mit den Gerüchten und Befürchtungen stieg vor allem der Stress und die Anspannung. Die Stressausprägung wurde nur noch stärker, als die Kündigungen tatsächlich stattfanden und das Management die Situation nicht näher erläuterte. Den Aussagen der Mitarbeiter zufolge, fühlten sich diese im Stich gelassen, ungeschützt und gehemmt.

Die Angst vor der ungewissen Zukunft

Die Bereitstellung relevanter Informationen über die Zukunft, insbesondere in Bezug auf mögliche negative Auswirkungen wie eine Kündigung, verringert diese Angst deutlich. Das zeigte ein Experiment der Universität von Wisconsin: Dabei wurde der den Teilnehmern eine Reihe von (zumeist) wertfreien Bildern wie simple Haushaltsgegenstände gezeigt. Gleich im Anschluss bekamen sie Bilder zu betrachten, mit denen meistens negative und unangenehme Gefühle assoziiert werden, wie verstümmelte Körper. Dazu wurde noch vor jedem Bild ein Symbol eingeblendet, das anzeigte, ob das folgende Bild als neutral, unangenehm oder mit einem Fragezeichen einzuordnen wäre.
Dabei fanden die Forscher heraus, dass Teile des Gehirns stärker auf ein negatives Bild reagierten, wenn diesem ein Fragezeichen vorausging. Die These dahinter ist, dass Gefühle wie Angst und Stress als Reaktion auf schlechte Erfahrungen sich mit der Abnahme von Unsicherheitsgefühle verringert.

Warum? Weil unser Gehirn ständig nach Informationen sucht. Sobald ein Ereignis als negativ eingestuft wird, wird die Person in Alarmbereitschaft versetzt - aber erst, nachdem sich erste Zeichen von Schwierigkeiten andeuteten. Der Schaden entsteht, wenn Menschen in Erwartung der drohenden Bedrohung leben, die Monate oder Jahre dauern kann. Es ist die Angst vor der Zukunft, die die schlimmste Wirkung hat.

Was Stress in Ihrem Gehirn auslöst

Dieser anhaltende Stress ist besonders schlecht für das Gehirn. Normalerweise setzt Stress Botenstoffe wie Katecholamine und Glukokortikoide als Reaktion auf Gefahren oder Traumata frei. Grund dafür ist der natürliche Bedrohungsreaktionsmechanismus unseres Gehirns. Das Problem mit langanhaltendem oder chronischem Stress ist, dass diese Stresshormone sich dann manifestieren und letztendlich die kognitiven Funktionen beeinflussen, weil Sie ständig in einer Art Defensivmodus sind.

Mit anderen Worten: Wir werden von nachdenklichen, intelligenten Menschen zu ängstlichen Wesen, die schreckhaft bei jedem Geräusch zusammenzucken. Statt die Aufmerksamkeit auf die Aufgabe vor Ihnen zu fokussieren, werden wir viel schneller von Sorgen und Gedanken abgelenkt.

Was können Sie am besten tun?

Es gibt viele mögliche Quellen von Stress im Leben eines jeden Menschen. Aber am Arbeitsplatz häuft sich dieser. Das Gefühl keine Kontrolle über die eigenen Widrigkeiten im Leben haben, führt zu dem Gefühl, dass wir keine Informationen über die Stressoren haben, wenn die soziale Unterstützung fehlt. Indem Sie bewusst Ungewissheit und Angst angehen, Vertrauen durch Information aufbauen und darauf achten, wie Menschen sich fühlen, hilft die Transparenz enorm, um eine freundliche Umgebung aufzubauen, die für das eigene Gehirn am besten ist und in der man weiß, was einem erwartet.

Das Praktizieren von Transparenz in einem Unternehmen trifft unweigerlich auf bereits manifestierte Ängste des Managements. Der Austausch von Informationen ebnet zwar den Weg zu mehr Sicherheit und Autonomie und eröffnet Möglichkeiten für eine sinnvolle Verbindung und soziale Unterstützung. Aber in Wahrheit ist es nicht immer einfach, ständig und offen zu kommunizieren. Transparenz ist nicht immer Sonnenschein. Für die meisten Unternehmen, mit denen ich arbeite, ist es unglaublich nervenaufreibend, transparenter zu kommunizieren, weil sie mehr an gefühlter Macht hergeben müssen. Transparenz dient vor allem als Kontrolle im Kampf gegen unfaire Machtdemonstrationen, ablenkende und entmutigende Politik, aber setzt auch dem Klatsch und Bürokratie klare Grenzen.

Wenn Sie wissen, was Sache ist - und sei sie noch so unangenehmen - haben Sie die Möglichkeit, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Gelebte Transparenz in einem Unternehmen sorgt für Vertrauen und schafft eine freundliche Umgebung, in der Menschen wirklich kreative Arbeit leisten.

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