Von Ingrid Gerstbach

Glücklich zu sein ist für 72% der Menschen das höchste Ziel. Danach folgt der Wunsch nach Gesundheit (71%) und Zufriedenheit im Privatleben - wie etwa Zeit mit guten Freunden oder der Familie zu verbringen oder Reisen zu unternehmen.

Wir verbringen den größten Teil unseres Lebens in der Arbeit. In den meisten Fällen identifizieren wir uns mit dem, was wir tun. Umso wichtiger ist es, dass wir unseren Lebensunterhalt mit etwas verdienen, das wir gerne tun. Indem Sie Ihre Leidenschaft finden und ihr folgen, geben Sie Ihrem Leben Bedeutung. Wenn Menschen etwas tun, das sie nicht gerne machen, rächt sich das schnell - Sie werden es spüren, weil es die Fähigkeiten, sich selbst und andere zu motivieren, die Qualität der Dienstleistung oder Produkte des Unternehmens und auch die Kundenbeziehungen mehr oder minder beeinflusst.

Es erstaunt deswegen auch nicht weiter, dass glückliche MitarbeiterInnen um ein Vielfaches produktiver sind. Hier ein paar Zahlen, um wie viel produktiver:

Glücksgefühl und Effektivität

Wenn Sie der Meinung sind, dass ich übertreibe, nehmen Sie sich einfach eine Sekunde Zeit und denken Sie darüber nach, wie Sie arbeiten, wenn Sie sich unglücklich fühlen? Wie geht es Ihnen, wenn Sie negative Gedanken haben oder sich ängstlich oder gestresst fühlen? Sind Sie dann noch kreativ? Inspiriert? Motiviert? Ist Ihre Produktivität dann auf dem Höhepunkt?

Unsere Fähigkeit, am effektivsten zu arbeiten, verringert sich, wenn wir uns gestresst oder unter Druck fühlen. Wir können dann keine Entscheidungen treffen oder unser volles Potenzial ausschöpfen.

Drehen Sie nun den Spieß um: Wie arbeiten Sie, wenn Sie sich glücklich und zufrieden fühlen? Fühlen Sie sich aufgeladen, kreativ und positiv? Oder belastbarer und ausdauernder, auch wenn Sie Rückschläge erleiden?

Unser Gehirn wird einfach aufmerksamer, offen für Ideen und kreativer, wenn wir glücklich sind. So können wir unser volles Potenzial entfalten. Glück und Zufriedenheit ist ein Rezept für Produktivität, das viel einfacher für diejenigen ist, deren Arbeit sich um etwas dreht, an das sie glauben.

6 eigentlich logische Ideen für mehr Glücksgefühle

1. Machen Sie mehr Sport - 7 Minuten täglich reichen schon aus

Bewegung hat so eine tiefgreifende Wirkung auf unser Glücksgefühl und Wohlbefinden, dass es sich tatsächlich als eine effektive Strategie zur Überwindung von Depressionen erwiesen hat. Für eine Studie wurden depressive Patienten in drei verschiedene Behandlungsgruppen eingeteilt: Während die eine Gruppe nur Medikamente bekam, wurde der zweiten Gruppe Sport verschrieben und der dritten Gruppe eine Kombination aus beidem. Obwohl alle drei Gruppen anfangs ähnliche Resultate zeigten, ergab eine Überprüfung nach 6 Monate Folgendes: 38% derjenigen Patienten, die nur Medikamente bekamen, fielen in ihre Depression zurück. Die Kombinationsgruppe war nur geringfügig besser, denn sie hatte eine Rückfallrate von 31%. Einzig die Sportgruppe hatte eine Rückfallquote von weniger als 9 %.

Sie müssen nicht depressiv sein, um von Bewegung zu profitieren. Sport hilft Ihnen dabei, sich zu entspannen, Ihre Gehirnleistung zu steigern und ein besseres Gefühl für Ihr Körperbewusstsein zu bekommen, auch wenn Sie kein Gewicht verlieren. Eine Studie im Journal of Health Psychology fand heraus, dass Menschen, die trainierten, sich besser fühlten, auch wenn sie keine direkten körperlichen Veränderungen sahen.

2. Schlafen Sie mehr - so reagieren Sie weniger empfindlich auf Negatives

Wir wissen, dass Schlaf unserem Körper hilft, sich von dem Tag zu erholen, uns zu konzentrieren und produktiver zu sein. Aber wussten Sie, dass Schlaf auch wichtig für Ihr Glücksgefühl ist? So werden negative Reize von der Amygdala, positive oder neutrale Erinnerungen allerdings vom Hippocampus verarbeitet. Schlafentzug trifft den Hippocampus stärker als die Amygdala. Das hat zur Folge, dass Menschen mit zu wenig Schlaf sich nicht an angenehme, aber an schlechte Erfahrungen erinnern können.

In einem Experiment wurden schlaflose Studenten gebeten, sich eine Liste von Wörtern einzuprägen. 81% konnten problemlos sich Wörter mit einer negativen Konnotation wie "Krebs" merken. Allerdings erinnerten sie sich an nur 31% der Wörter mit einer positiven oder neutralen Konnotation wie "Sonnenschein" oder "Korb".

3. Nähe zur Arbeit - eine kurze Fahrt ist mehr wert als ein großes Haus

Unser Weg zum Büro hat einen starken Einfluss auf unser Glück. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass die meisten von uns zweimal am Tag, fünf Tage in der Woche diesen Weg auf uns nehmen.

Menschen neigen dazu, diesen Aufwand zu kompensieren, indem sie ein größeres Haus oder einen besser bezahlten Job wählen. Aber diese Kompensationen funktionieren einfach nur bedingt: Zwei Schweizer Ökonomen, die die Wirkung des Pendelns auf das Glück untersuchten, fanden heraus, dass solche Faktoren das schlechte Gefühl, das durch eine lange Fahrt entstand, nicht wettmachen konnten.

4. Gehen Sie nach draußen - Glück steigt bei 13,9°C

In dieser Studie wird empfohlen, viel Zeit an der frischen Luft zu verbringen, um sein Glücksgefühl zu maximieren: Nach nur 20 Minuten Aufenthalt im Freien bei gutem Wetter haben Sie nicht nur eine positive Stimmung, sondern es hat sich dabei auch Ihr Denken und Arbeitsgedächtnis nachweislich verbessert. Und 20 Minuten am Tag ist so gut wie für jeden machbar - es reicht, wenn Sie einen Teil Ihrer Mittagspause nach draußen verlegen.

Die American Meteorological Society veröffentlichte dazu eine Studie, in der festgestellt wurde, dass die aktuelle Temperatur einen größeren Einfluss auf unser Glück hat als Variablen wie Windgeschwindigkeit und Luftfeuchtigkeit oder sogar die durchschnittliche Temperatur im Laufe eines Tages. Es stellte sich auch heraus, dass das Glück bereits bei 13,9° C zum Steigen beginnt. Behalten Sie also die Wettervorhersage im Auge, bevor Sie nach draußen gehen.

5. Helfen Sie anderen - 100 Stunden pro Jahr ist perfekt

Mit dem Glück ist es wie mit der Liebe: Es vervielfacht sich, wenn Sie es teilen. Wenn Sie andere Menschen unterstützen und ihnen helfen, dankt es Ihnen Ihr Körper mit einer übermäßigen Ausschüttung an Glücksgefühlen. So sind angeblich 100 Stunden pro Jahr (oder zwei Stunden pro Woche) die optimale Zeit, in der wir andere Menschen unterstützen sollten, damit wir unser eigenes Leben bereichern.

Das Journal of Happiness Studies veröffentlichte dazu eine Studie: Dazu sollten sich die Teilnehmer an einen früheren Kauf erinnern. Während die eine Gruppe sich an etwas erinnern sollten, das sie sich selbst gekauft hatten, wurde die andere Gruppe gebeten, den Kauf für eine andere Person zu visualisieren und die dazugehörigen Gefühle zu kommunizieren. Diejenigen, die sich an einen früheren Kauf für jemand anderen erinnerten, waren wesentlich zufriedener und genügsamer als die Gruppe, die das Geld für sich ausgab.

6. Lächeln Sie mehr - das macht automatisch glücklicher

Zu lächeln kann uns helfen, dass wir uns besser fühlen. Noch effektiver wird es, wenn wir es mit positiven Gedanken unterstützen, zumindest laut dieser Studie: Darin wurde gezeigt, dass die Stimmung von Kundendienstmitarbeiter, die während des Tages zwar lächelten, aber trotzdem negative Gedanken hatten, sich im Gegensatz zu der Stimmung ihrer Kollegen, die beim Lächeln positive Gedanken hatten, massiv verschlechterte.

Lächeln ist ein Weg, um die Notlage zu mindern, die durch eine beunruhigende Situation verursacht wird. Psychologen nennen dies die Facial-Feedback-Hypothese. Dabei beeinflussen sich Laune und Mimik gegenseitig. Es macht also einen enormen Unterschied, ob wir mit hängenden Schultern durch die Gänge schlurfen, den Blick auf den Boden gesenkt oder ob der Rücken gerade durchgedrückt, die Haltung also aufrecht und der Blick geradeaus gerichtet ist.

Fazit

Unser Verständnis von Glück ändert sich im Laufe des Lebens. Es sind zunehmend die kleinen, alltägliche Dinge, die wirklich glücklich machen. Nur lässt sich Glück nicht allgemein definieren, sondern bedeutet vielmehr für jeden Menschen etwas anderes. Manch einer findet sein Glück im Beruf, andere im Familienleben, wieder andere in ihren Hobbies. 

Glücklich zu sein ist kein Zustand, den Sie einmalig erreichen können. Wer so denkt, jagt dem Glück nur sinnlos hinterher und das verstärkt letztlich die Unzufriedenheit. Glücklich zu leben ist vielmehr eine Einstellungssache und eine bewusste Entscheidung.

Achja, wenn Sie wissen wollen, wie viel Ihrem Unternehmen unglückliche Mitarbeiter kosten, probieren Sie doch mal diesen speziellen Return-on-Investment-Rechner aus.

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