:-) oder :-( Verbessern Emoticons und Emojis unsere Kommunikation?

In meiner Arbeit als Innovationsberaterin achte ich viel auf die Reaktionen und Emotionen meines Gegenübers. Empathie ist nicht nur ein nettes "Beiwerk", es ist meiner Meinung nach die Voraussetzung, um erfolgreich zu kommunizieren. Der Aufstieg der Smartphones brachte nun verstärkt eine Kommunikationsform hervor, die heute als Emoticons bekannt ist. Die Darstellung von Gefühlen via Textzeichen soll dazu beitragen, Emotionen einfacher auszudrücken. Via grafischer Visualisierungen kann auf diese Weise persönlicher kommuniziert werden, was sonst oft nur mit Worten vermittelt werden kann. Aber ist das wirklich auch der Fall?

Online oder via SMS zu kommunizieren, hat zum Verlust wichtiger Elemente in der menschlichen Kommunikation geführt. Denn eine verbale Konversation beinhaltet vielmehr als das reine Wort: Alleine der Tonfall einer Person beeinflusst den gesamten Verlauf eines Gesprächs. So beeinflusst die Intonation, Lautstärke und die Betonung bestimmter Wörter deren Aussage und kann sogar noch die Interpretation einer Aussage völlig verändern. Nicht zu vergessen die ganzen nonverbalen Signale, die die Botschaft einer Person verändern oder verstärken, fallen bei Emoticons natürlich weg. Gestik und Mimik vermitteln neben den Worten unbewusst und bewusst eben viel mehr, zeigen Gefühle, tatsächlich gemeinte Bedeutungen und wahre Beziehungen, die anders nur schwer vermittelbar wären.

All das – Stimmmodulation und Körpersprache - geht natürlich in der Kommunikation via Text verloren. Dort ist das geschriebene Zeichen das einzig verfügbare Medium, um sich auszudrücken. Sarkasmus geht zum Beispiel in E-Mails und Personal Messages ganz schnell verloren und wird zumeist wörtlich vom Empfänger wahrgenommen - mit teils unvorhersehbaren Folgen.

Dennoch können Emotionen wunderbar durch schriftliche Kommunikation ausgedrückt werden. Seit Jahrtausenden vermitteln z.B. die Menschen komplexe Ideen in der Literatur. Emoticons machen einfach den Ausdruck von Emotionen einfacher und prägnanter.

Die Entstehung von Emoticons

Grafische Darstellungen mit nur Textzeichen, bestehend aus einer Folge von ASCII-Zeichen, gibt es nicht erst seit heute. Die Urform des Emoticons ist das bekannte Strichmännchengesicht, mit dem bereits Schriftsetzer in den frühen Jahrhunderten experimentierten. Auch bei der Telegrafie (deren Einführung um 1850 stattfand) wurden bereits einige stilisierte Gesichter benutzt. Die Mini-Gefühls-Bilder wurden 1963 durch einen Werbegrafiker, Harvey Ball, wiederentdeckt.
Populär wurden die Emoticons - ein Kofferwort, das aus den Begriffen Emotionen und Icons gebildet wurde - am 19.09.1982. Damals hat Scott Fahlman, ein Forscher an der Carnegie Mellon University, eine Nachricht an ein schwarzes Brett geschrieben. Aufgrund eines Missverständnisses schlug Fahlman vor, dass ab nun mittels Zeichen die Bedeutung einer Botschaft unterstrichen werden sollte. Während sich die Bedeutung dieser Emoticons seither leicht geändert hatte, sind sie fast universell verständlich geworden. Im Laufe der Zeit hat sich ein ganzes Vokabular von Emoticons herauskristallisiert.

Die Entwicklung der grafischen Benutzeroberflächen (GUIs) ermöglichte dann die Darstellung von Bildern. Das führte wiederum zu der bildbasierten Darstellung von Gesichtern, die ähnliche Emotionen wie Emoticons vermitteln. Emojis sind allerdings nicht auf Emotionen alleine beschränkt, sondern zählen auch Symbole für Pflanzen, Tiere, Getränke, Essen, Wetter etc. dazu. Der Teil der Emojis, der zum Ausdrücken von Gefühlslagen bestimmt ist, wird als Kaomoji bzw. in animierter Form als Kaoani oder allgemein einfach nur kurz als Kao (japanisch Gesicht) bezeichnet. Diese Emojis sind eine Reaktion auf verschiedene Meinungen und Beiträge. Zurzeit existieren laut offizieller Aufzeichnungen 2.666 Emojis.

Eine Studie zeigt, dass Japaner aufgrund der kulturell bedingten mimischen Zurückhaltung sich eher auf das Gesicht konzentrieren, um Gefühle eines Gegenübers aus dessen Gesicht abzulesen, während sich Amerikaner hingegen mehr auf den Mund konzentrieren.

Kommunikation in Zeiten von Emoticons und Emojis

Die Frage, ob Emoticons tatsächlich die Kommunikation unterstützen, führt zu heftigen Diskussionen und ist auch gerne Gegenstand verschiedener Studien. Auf der einen Seite können Symbole mit einer allgemein verstandenen Bedeutung dazu beitragen, ein Gefühl zu vermitteln, ohne es in einem verschachtelten Satz ausdrücken zu müssen. Sie tragen auch dazu bei, die Mehrdeutigkeit einer Nachricht zu reduzieren. Diese Erkenntnisse sind u.a. Ergebnisse einer Studie, die die Verwendung von Emoticons bei Schülern untersuchten. Dabei fanden die Forscher heraus, dass Emoticons in der Verbindung mit einer schriftlichen Botschaft die Bedeutung einer Botschaft verstärken.

Es gibt jedoch auch eine Reihe von Nachteilen, die bei der Verwendung von Emoticons auftreten. So beschränkt eine begrenzte Auswahl an Emoticons die Palette an Emotionen, die wir sonst nonverbal und verbal ausdrücken. Auch fallen subtile Nuancen einer Emotion weg. Die Verwendung von Emoticons reduziert die Übung, die es braucht, um die eigene, schriftliche Ausdrucksstärke zu entwickeln.

ASCII-Zeichen und textbasierte Emoticons wie :-) sind wesentlich leichter zu verstehen als @-) oder 8-), vor allem, wenn jemand nicht das Vokabular parat hat. Das Aufkommen der Emojis hat die Notwendigkeit beseitigt, das gesamte Vokabular von Emoticons zu beherrschen, um sie tatsächlich zu verstehen.

Geschlechterunterschiede bei der Verwendung von Emoticons

Männer und Frauen kommunizieren unterschiedlich, vor allem bezogen auf ihre Emotionen. So gelten Frauen im Allgemeinen als emotional offener, während Männer Gefühle eher "auffangen" bzw. verbergen. Dieser Unterschied wurde aber nicht nur in persönlichen Gesprächen festgestellt, sondern er gilt auch bei der elektronischen Kommunikation.

Einen interessanten Unterschied zu der online Kommunikation gibt es allerdings doch: So interpretieren Männer und Frauen die Bedeutung von Emoticons leicht unterschiedlich. Eine 2015 durchgeführte Studie unter Facebook-Nutzern ergab, dass Frauen durch das Weglassen von Emoticons schneller eifersüchtig reagierten. Wurden allerdings Emoticons verwendet, neigten Männer eher zur Eifersucht.

Quo vadis, Emoji?

Der Grund, warum Emojis so erfolgreich sind, ist, dass sie nichts wirklich Neues tun. Sie schlüsseln besonders aufschlussreich die zunehmende Rolle, die die Technologie in unserem Leben spielt und wie wir passende Lösungen finden, die sowohl modern sind als auch auf die allerersten Formen der Alphabetisierung zurückgehen.

Machen Sie sich also bitte keine Sorgen, dass eine Flamenco-tanzende Dame in einem roten Kleid jemals den Wert eines Gedichtes oder Prosa eliminieren wird können. Rilke ist und bleibt Rilke, unabhängig davon, ob Sie Ihre Langeweile Ihrem Kollegen gegenüber über WhatsApp mitteilen oder nicht.