Therapietechnik 1: Aktives Zuhören

Als der Berater das Feedback von seinem Chef bekam, war er vollkommen verblüfft: Kunden, Mitarbeiter und Lieferanten lobten zwar ausnahmslos seine gute Arbeit, sprachen ihm aber gleichzeitig die Fähigkeit ab gut zuzuhören. Zwar galt er als einer der besten und klügsten Köpfe im Unternehmen, aber ohne dieser Eigenschaft, würde er niemals an die Spitze gelangen - so der gemeinsame Tenor.

Aktives Zuhören ist eine Fähigkeit, von der jeder profitiert: Als besserer Zuhörer erhöhen Sie nicht nur Ihre eigene Produktivität, sondern bauen schneller Beziehungen auf, lösen die tatsächlichen Probleme und vermeiden Konflikte. Gerade in der heutigen schnelllebigen Geschäftswelt ist es wichtig, Kunst des aktiven Zuhörens zu meistern.

Die 8 Schritte des aktiven Zuhörens

Schritt 1: Achten Sie auf Augenkontakt

Mit jemandem zu sprechen, während er auf sein Handy schaut, Mails checkt oder aus dem Fenster blickt, ist deprimierend. Einem Kind würden Sie sagen, dass es sich konzentrieren und Sie ansehen soll. Aber in der Arbeit? Augenkontakt gilt für die meisten von uns als Grundbestandteil einer guten Kommunikation. Wenn wir reden, schauen wir uns in die Augen, das ist einfach höflich. Legen Sie deswegen alles andere, das nicht mit dem Gespräch zu tun hat, zur Seite und widmen Sie Ihre ganze Aufmerksamkeit Ihrem Gesprächspartner.

Schritt 2: Bleiben Sie aufmerksam

Wenn Sie den Augenkontakt hergestellt haben, entspannen Sie sich. Starren Sie Ihr Gegenüber nicht an. Bleiben Sie aufmerksam. Blenden Sie Ablenkungen wie Hintergrundgeräusche mental aus. Lassen Sie sich auch nicht von den eigenen Gedanken oder Gefühlen ablenken.

Schritt 3: Bleiben Sie neugierig

Hören Sie wertfrei zu. Das klingt einfacher als es ist: Wir sind gewohnt, die Zeit gut zu nutzen und schnell zu handeln. Wenn Sie aber voreilige Schlüsse ziehen, schalten Sie meistens gedanklich ab und versäumen so die Chance, die tatsächlichen Gedanken und Gefühle zu erfahren.

Schritt 4: Spielen Sie einen Film des Gesagten ab

Beim aktiven Zuhören hilft ungemein, das Gehörte zu ordnen. Dabei hilft es, vor Ihrem geistigen Auge einen Film vom Gesagten ablaufen zu lassen. Verbringen Sie nicht die Zeit damit, sich zu überlegen, was Sie antworten können, während der andere noch spricht. Hören Sie einfach zu und konzentrieren Sie sich ausschließlich auf das, was Sie hören und wahrnehmen.

Schritt 5: Halten Sie Pausen aus

Jeder denkt und spricht in einem unterschiedlichen Tempo. Wenn Sie ein schneller Denker sind, ist es daher meist eine Herausforderung, langsameren Denkern zuzuhören. Sätze für den anderen zu beenden, ist nicht nur unhöflich, Sie drücken damit auch aus, dass Sie sich für wichtiger und interessanter als den Sprecher halten.

Schritt 6: Stellen Sie Ihre eigenen Lösungen hinten an

Wenn Ihnen jemandem von seinem Problem spricht, verzichten Sie auf sofortige Lösungen. Die meisten von uns suchen nicht nach einem Rat, sondern brauchen jemanden, der zuhört. Wenn Sie eine Lösung parat haben, fragen Sie zuerst nach, ob der andere überhaupt an Ihrem Rat interessiert ist. Das spart auf beiden Seiten viel Frust.

Schritt 7: Zeigen Sie, dass Sie zuhören

Verwenden Sie Ihre Körpersprache, um zu zeigen, dass Sie anwesend sind. Nicken Sie gelegentlich. Achten Sie auf eine offene und interessierte Haltung. Ermutigen Sie den Sprecher mit verbalen Kommentaren wie "Ja" und "Aha" fortzufahren.

Schritt 8: Geben Sie Feedback

Unsere persönlichen Filter, Annahmen und Überzeugungen verzerren das, was wir hören. Als aktiver Zuhörer ist es aber Ihre Aufgabe zu verstehen, was der andere sagt und meint. Paraphrasieren Sie daher immer das Gesagte, um sicherzustellen, dass Sie auch beide dasselbe meinen. "Was ich höre ist ..." und "Klingt, als ob ..." sind großartige Möglichkeiten.

 

Aktives Zuhören fördert vor allem Respekt und Verständnis. Sie gewinnen nicht nur Informationen, sondern stärken dadurch auch die Beziehung zum Sprecher. Es braucht viel Konzentration und Entschlossenheit, um ein aktiver Zuhörer zu sein. Alte Gewohnheiten sind schwer zu durchbrechen, und wenn Ihre Zuhörfähigkeiten nicht ganz so gut sind, dann üben Sie, um zu einem besseren Zuhörer zu werden. Es zahlt sich aus.

Warum Sie als Berater vor allem ein guter Therapeut sein sollten, können Sie hier nachlesen. Welche weiteren Techniken Sie unbedingt auch noch in Ihr Portfolio aufnehmen sollten, lesen Sie nächste Woche.

Mehr Anregungen zu diesem Thema finden Sie in meinem neuesten Buch: