Von Ingrid Gerstbach

In meiner Arbeit als Design Thinking Beraterin dreht sich letztlich alles um die Menschen innerhalb und außerhalb von Unternehmen. Denn wo immer Menschen zusammenarbeiten, wird konkurriert wie kooperiert, Kompromisse geschlossen, Meinungsverschiedenheiten debattiert, Ideen wie Lösungen entwickelt und vorhandene Strukturen arrangiert.

Damit das alles klappt und genügend Energie vorhanden ist, ist ein wichtiger Faktor die Freude an der eigenen Arbeit. Schließlich verbringen wir mehr als die Hälfte unseres Lebens auf der Arbeit. Eine Studie des Bundesarbeitsministeriums zeigte nun, dass 45 Prozent der Befragten unzufrieden mit ihrer momentanen Tätigkeit sind. Vielmehr noch: Sie empfinden sie nicht als sinnvoll.

Eine andere Studie zeigt, welche Arbeitsplätze für die Menschen die meiste Bedeutung haben:

  • Priester und religiöse Berufe: 98%
  • Chirurgen: 96%
  • Direktoren, Schulleiter und Pädagogen: 96%
  • Chiropraktiker: 93%

All diese Jobs haben drei Dinge gemeinsam, die eines zeigen: Der Sinn unserer Arbeit ist selten Selbstzweck.

1. Sinnvolle Arbeit ist nicht gleich Wissensarbeit

Vor ein paar Tagen habe ich eine Diskussion mitverfolgt, in der heftig debattiert wurde, ob sich die industrialisierte Welt von einer handwerklichen hinzu einer wissensbasierten Wirtschaft verlagert. Meiner Meinung nach arbeiten wir sogar mehr denn je in einer Dienstleistungswirtschaft.
Wenn Sie die Liste mit den sinnvollsten Jobs näher betrachten, sehen Sie, dass die aufgelisteten Rollen alle Dienstleistungstätigkeiten sind: So fördern Chirurgen und Chiropraktiker die körperliche, der Priester die seelische bzw. geistige und der Pädagoge die soziale und psychische Fitness und Gesundheit. Würden diese Jobs nicht existierten, würde es anderen Menschen wesentlich schlechter gehen. Sinnstiftende Arbeit bringt demnach vor allem in das Leben anderer einen Wert.

2. Bedeutung ist dort, wo Sie sind

Sie müssen nicht für eine Firma wie Apple, Google oder ein hippes Start-up arbeiten, um Sinn zu finden. Im Gegenteil sogar: Die Jobs, die als sinnvoll erlebt werden, sind alle in völlig unterschiedlichen Bereichen angesiedelt, fernab von bestimmten Organisationen. Einige der Rollen wechseln sogar mehrfach in der Woche ihren Standort: Chirurgen arbeiten meistens an verschiedenen Krankenhäuser und haben zudem oft eine eigene Praxis, Priester predigen an verschiedenen religiösen Orten, Schuldirektoren und Pädagogen wechseln von einer Schule zur anderen und Chiropraktiker sind überhaupt meistens querfeldein unterwegs. Die Art und Aufgabe ihrer Arbeit ändert sich dabei nie, sondern bleibt vielmehr gleich. All diese Berufe identifizieren sich über den Inhalt ihrer Tätigkeiten, nicht über die Organisationen, für die sie arbeiten.

3. Die eigene Bedeutung hängt niemals von der Vision eines anderen ab

Sie brauchen keinen Boss wie Steve Jobs, um wirklich Bedeutung in Ihrem Beruf zu finden. Die wahren Träume kommen von Menschen, die ihren Job lieben, die die Initiative ergreifen und so ein aktiver Architekt ihrer eigenen Welt zu werden. In einem Projekt interviewten wir einmal einen Mitarbeiter der Stadt Wien, der für die Straßen kehrte, der seine Arbeit deswegen als sinnvoll empfand, weil er so einen wesentlichen Anteil an der Verschönerung der Stadt für seine Mitmenschen hatte. Er sagte, dass er sich so zum Wohlbefinden und den Lebensstandard anderer Menschen aktiv beitragen konnte.

Fazit

Im Grunde ist jede Definition von Sinn ein Akt der Selbstdarstellung. Sinn ist eine einzigartige Chance zu zeigen, wer wir sind und was wir tun. Um Bedeutung zu finden, müssen wir erkennen, dass dieser in dem versteckt liegt, was wir tun - und nicht für welches Unternehmen wir arbeiten. Sinnhaftigkeit lebt innerhalb menschlicher Beziehungen und nicht in bloßen Ideen oder Vorstellungen.