Von Ingrid Gerstbach

Innovation ist in aller Munde. Einerseits ist es gut, dass Unternehmen die Dringlichkeit erkennen bzw. welche Risiken sie eingehen, wenn sie der Innovation trotzen (betrachten Sie nur einmal die traurigen Schicksale von langjährig erfolgreichen Firmen wie Kodak, Nokia, Zielpunkt). Andererseits stellt sich dadurch auch die Frage, wie Sie persönlich Innovation und kreatives Denken in Ihre tägliche Arbeit integrieren und so mit dem manischen Tempo der modernen Geschäftswelt Schritt halten können.

1. Fördern Sie Gespräche und Zusammenarbeit.

Trotz jahrelanger Perfektion und Einüben von innovativen und kreativen Methoden und Techniken ist es auch die beste Abteilung nicht gefeit davor, mentale Blockaden aufzubauen oder dieselben Ideen immer wieder in neuen Variationen zu denken. Genau aus diesem Grund lohnt es sich, kreative Ideen außerhalb Ihrer unmittelbaren Umgebung zu erarbeiten. Die Menschen, mit denen Sie arbeiten - Kollegen, Kunden, Lieferanten - sind Ihre wertvollste Ressource. Sie haben vielleicht einige wunderbare Innovationen direkt in Ihrem Unternehmen versteckt, von denen Sie noch nichts ahnen! Und je mehr Menschen Sie involvieren, desto mehr Energie und großartige Ideen werden entstehen. Große, erfolgreiche Beratungsfirmen wie Accenture, PwC, KPMG setzen genau auf dieses Prinzip.

2. Nehmen Sie sich bewusst Zeit, um nachzudenken und persönliche Ziele zu setzen.

Ich bin überzeugt davon, dass das seltenste Gut auf Erden Zeit ist. Kaum einer findet Zeit und Raum, um kreativ zu denken. Dabei ist genau das so wichtig: Um innovative und kreative Lösungen zu entwickeln, brauchen wir nun mal auch den Raum dazu. In einem Projekt haben wir einmal eine Regel entwickelt, die besagt, dass jeder Mitarbeiter verpflichtet ist, eine halbe Stunde am Tag Zeit für kreative Projekte einzuräumen. Diese Art des fokussierten, kreativen Denkens eröffnet eine starke Kultur, in der Einfallsreichtum und Veränderung begrüßt und geschätzt wird.

Oft ist es aber einfach nicht möglich, sich einen ganzen Tag oder auch nur ein paar Stunden Zeit dafür abzuzwicken. Viele Dinge scheinen im Moment dringlicher zu sein und so wandert Zeit für kreatives Denken auf unserer persönlichen Prioritätenliste ganz nach unten. Wie fatal! Denn langfristig gesehen schaden Sie damit sich und Ihrem Unternehmen!

Versuchen Sie, sich bewusst zumindest eine Stunde pro Woche Auszeit von Ihrer gewohnten Umgebung nehmen und beginnen, über neue Ideen nachzudenken - und wie Sie diese in der folgenden Woche in einer Teamsitzung präsentieren. Setzen Sie sich beispielsweise das inoffizielle Ziel, bei jeder Sitzung ein oder zwei neue Ideen einzubringen, die Sie zuvor in Ruhe ausgearbeitet haben.

3. Starten Sie klein – mit dem Ziel hoch hinaus zu kommen.

Die Worte „Veränderung“ und „Innovation“ sorgen für Angst in den Herzen derer, die ihre Arbeitsroutine schätzen. Genau solche Menschen hilft es, mit kleinen Innovationen und Ideen zu beginnen, die weniger abschreckend wirken und auch wesentlich einfacher zu implementieren sind. Denken Sie bei Innovation an ein Spektrum: an einem Ende können kleine, inkrementelle Änderungen eingeführt werden, bevor sie zu großen, transformierende Innovationen auf der anderen Seite werden. Alle Ebenen des Spektrums haben ihren eigenen Platz und Zweck.

Lassen Sie uns diesen Gedanken einen Moment in einen anderen Kontext setzen. Denken Sie z.B. an Ihre Mails. Überall auf der Welt kämpfen CIOs einen ständigen Kampf, um die Datenspeicherkosten niedrig zu halten. Viele versuchen diese Schlacht zu gewinnen, indem sie die Größe der E-Mail-Postfächer reduzieren. In unserem Spektrum wäre die Idee, interne E-Mails zu verbieten und die Menschen zu zwingen eine gemeinsame kollaborative Website zu nutzen, auf der Seite der großen Änderungen. Eine kleinere Verschiebung wäre, die Mitarbeiter zu bitten, nur E-Mails an Leute zu schicken, die die Infos dieser Mail auch brauchen - anstatt das ganze Team zuzuspammen. Die Einführung solcher kleinen Änderungen machen bereits einen echten Unterschied aus – und dienen als Sprungbrett zu größeren, transformierenden Ideen. Und wenn erst einmal Budgetverantwortliche die Vorteile der inkrementellen Änderungen erkennen, werden sie wahrscheinlich weniger resistent gegenüber größeren sein.

4. Verdammen Sie nicht Ihre Fehler, sondern fördern Sie das Risiko.

Wenn ich eines in meinen Projekten gelernt habe, dann dass Kreativität dort am schnellsten stirbt, wo Fehler bestraft werden. Es ist eine Sache, von seinen Mitarbeitern hohe Qualität zu verlangen, aber es ist eine ganz andere zu sagen, dass, wenn ihre Bemühungen nicht klappen, sie Gefahr laufen, das nächste Mal nicht mehr gefragt zu werden. Oder Schlimmeres. Dabei passiert nichts anderes als die Förderung von Wachstum, wenn Menschen im Namen der Innovation Neues riskieren! Ich bin der festen Überzeugung, dass solche Arbeitsumgebungen braucht, die mutige Entscheidungen und ungewöhnliches Denken begrüßt. Auch wenn es vielleicht nicht gleich auf Anhieb funktioniert. Aber genau das brauchen wir, wenn wir Erfolg haben wollen: Menschen, die mutige Entscheidungen treffen, auch wenn es bedeutet, dass zunächst ein Teil der Zeit schlecht investiert zu sein scheint.

5. Motivieren Sie den Rest Ihres Unternehmens.

Die Notwendigkeit, innovativ zu sein und kreativ zu denken, ist oft ein abteilungsübergreifendes Problem. Zudem werden Innovationsanstrengungen im gesamten Unternehmen oft schlecht bzw. gar nicht kommuniziert. Wenn Ihr Unternehmen bereits ein eigenes Innovationsteam hat oder auch erst damit beginnt, die Notwendigkeit für ein solches zu erkennen, kann ein Kommunikationsprotokoll wichtiger Erfolgsbestandteil rund um Ideenentwicklungen, Crowdsourcing und Implementierung sein. Wie bereits erwähnt ist es möglich, klein zu beginnen - vielleicht anhand eines monatlichen Treffens mit Vertretern aus den einzelnen Abteilungen, um dabei zu diskutieren und Best Practices bzw. neue Projekte zu teilen.

 

Durch die Einbettung von Innovation, kreatives Denken und die Zusammenarbeit in den Kern Ihres Unternehmens und in Ihre eigene, tägliche Arbeit, wird es vor allem viel einfacher, Aufgaben auszuführen, erfolgreiche Projekte durchzuführen und Ihre eigenen Karriere-Meilensteine und Ziele zu erreichen. Aber innovativ zu sein ist mitunter anstrengend und schwer. Ein Patentrezept gibt es nicht. Nutzen Sie aber stattdessen die grundlegenden Gemeinsamkeiten, die innovative von nicht ganz so innovativen Unternehmen eben unterscheiden.