Von Ingrid Gerstbach

Innovationen sind für mich der Motor unternehmerischen Wandels. Damit ein Unternehmen innovativ agieren kann, sind die Ideen aller Mitarbeiter gefragt. Es reicht einfach nicht, lediglich ein paar „verrückte Kreative“ einzustellen, diesen alle Freiheiten zu geben, damit sie in Ruhe ihre Ideen entwickeln können. Im Gegenteil, dieses Vorgehen wird mit ziemlicher Sicherheit schief gehen. Denn Innovation ist mehr als nur ein Reichtum an Ideen: Diese Ideen müssen sich auch auf dem Markt erweisen. Oder anders ausgedrückt: Exekution und Kreation müssen Hand in Hand gehen.

Der Weg zur Innovation ist aber ein steiniger, geprägt von Versuch und Irrtum. Scheitern wiederum führt Kritiker auf den Plan, die Fehlschläge schnell belächeln und viel zu häufig sanktionieren. Dabei ist Scheitern nicht als Fehlschlag zu verstehen, sondern vielmehr als eine Chance, es künftig besser zu machen.

Wie können Sie Menschen dennoch ermutigen, kreativer und offener für neue Ideen zu sein? Viele behaupten steif und fest, dass sie gerne kreativ wären, es aber leider nicht sind. Dabei ist Kreativität nichts weiter als eine Simulation unseres Geistes! Der Geist schafft alle Arten von Annahmen, selbst auferlegte Zwänge und einschränkende Hemmungen!

Mehr machen, weniger denken

Es ist ein Irrglaube zu denken, dass Kreativität und Innovationsfähigkeit ein paar Wenigen vorbehalten ist. Vielmehr entstehen Innovationen überall, ja, in jedem Mitarbeiter versteckt sich irgendwo ein Potential an Ideenreichtum und Innovationskraft.

Im Folgenden habe ich 6 Merkmale aufgelistet, die Menschen, die Innovationen initiiert haben, miteinander gemeinsam haben:

  1. Hartnäckig dranbleiben: Innovation ist mehr. Es bedarf neben der Idee eben noch der Ausführung. Das bedeutet einerseits harte Arbeit, aber auch den Fokus auf das Endergebnis zu richten, um die Vision letztlich wahr werden zu lassen. Menschen neigen dazu, sich vor dem Ergebnis einer kreativen Idee in Ehrfurcht zu verneigen, aber was wir dabei nicht sehen sind die vielen Handlungen, harten Stunden an Arbeit und die Ausdauer, die in Wahrheit darin steckt.
     
  2. Keine einschränkenden Hemmungen: Sobald Menschen sich gehemmt fühlen, bewegen sie sich nur noch begrenzt. Ein Gefühl des Festgefahrenseins und der Enge entsteht. Um innovativ zu agieren, müssen wir uns selbst von diesen im Geist entstandenen Einschränkungen befreien. Das ist das, was mit „thinking outside the box“ gemeint ist: Es geht darum mutig den eigenen Grenzen zu begegnen und neuen Ideen und Lösungen gegenüber offen zu sein.
     
  3. Fehler in Kauf nehmen: Die Angst vor Versagen und davor, Fehler zu machen, ist meiner Erfahrung nach für 99% der Hemmungen verantwortlich. Aber kreativ und innovativ zu sein, bedeutet auch zu scheitern, um daraus zu lernen. Erstellen Sie verschiedene Prototypen, testen Sie direkt mit dem Endnutzern, sammeln Sie Feedback und nehmen Sie inkrementelle Änderungen vor. Anstatt Fehler als persönliches Versagen zu verstehen, sehen Sie die Chancen, die in diesen Experimenten liegen. Ich verstehe Experimente sogar als gewolltes Scheitern, um daraus zu lernen. Anstatt sich für Fehler zu bestrafen, akzeptieren Sie sie, um dann aus dem neu gewonnenen Wissen wirklich gute Lösung zu erarbeiten.
     
  4. Bewusst Pausen einlegen: Unsere Umwelt beeinflusst direkt, wie wir uns fühlen. Je entspannter und ruhiger wir sind, desto empfänglicher sind wir für Flow-Momente und Kreativität. Aus diesem Grund kommen die besten Ideen unter der Dusche oder wenn wir beim Tagträumen sind. Jeder von uns hat verschiedene interne Trigger, um kreative Energie zu entfachen. Bei mir sind es lange Spaziergänge in der Natur fernab von jeglichem Handyempfang. Finden Sie heraus, was bei Ihnen am besten funktioniert.
     
  5. Auf Papier denken: Viele große Denker führen immer eine Art Tagebuch mit, indem sie ihre Ideen und Gedanken aufschreiben. Einige zeichnen in ein Moleskin-Buch, andere verwenden Papier, wiederum andere bekleben alles mit Post-its. Wenn wir unsere Gedanken erfassen, sie einfangen und beginnen auf Papier zu denken, fallen Hemmungen und der kreative Prozess wird wie von selbst starten. 
     
  6. Nach Mustern suchen: Der Ursprung jeder Idee ist eine andere. Wussten Sie, dass Edison nicht der erste war, der die Idee der Glühbirne hatte? Er war der Erste, der das noch heute verwendete Sockelgewinde erfand. Beginnen Sie nach Mustern zu suchen und die Lösung anderer Ideen schätzen zu lernen. Sie werden sehen, wie viel besser Ihre eigenen Ideen werden, wenn Sie auf bereits bestehende Lösungen aufbauen. Die besten Ideen sind im Grunde nichts weiter als kombinierte Versionen mehrere Ideen.

Starten Sie noch heute!

Hier sind einige Techniken, die Sie anwenden können, um Ihre eigene Innovationsfähigkeit zu stärken:

  • Führen Sie Tagebuch, indem Sie jeden Gedanken, jede Idee, jede Inspiration etc. aufschreiben. Beginnen Sie auf dem Papier zu denken.
  • Lösen Sie Probleme in entgegengesetzter Richtung. Einer meiner Lieblingstechniken ist die Kopfstandtechnik. Dabei überlegen Sie ganz einfach, was Sie tun müssen, damit ein Plan/Idee etc. ganz sicher nicht funktionieren wird. Durch diese neue Perspektive gelingt es einfacher, anders zu denken, Blockaden zu sprengen und dadurch das Problem entgegengesetzt zu lösen. Diese Technik klingt so einfach, dass die Menschen spielerisch agieren. Und Humor löst alle Hemmungen und ermutigt die Menschen, Dinge laut auszusprechen.
  • Finden Sie eine entspannende oder anregende Umgebung, die Ihre Kreativität triggert. Probieren Sie verschiedene Orte aus, bis Sie Plätze finden, die wirklich das Beste aus Ihnen herausholen.
  • Tun Sie das, was Ihnen Spaß macht: Wenn Sie irgendwo feststecken, fokussieren Sie Ihre Gedanken auf etwas, das Ihnen Spaß macht. Kommen Sie dann frisch erholt und mit neuer Einstellung zur Fragestellung zurück.
  • Suchen Sie kreativen Austausch mit anderen: Neue Ideen sind immer Folge mehrerer Menschen und nicht einer einzigen Person.
  • Erlauben Sie sich selbst, Fehler zu machen: Sehen Sie Fehler nicht als Scheitern, sondern als Chance, die Dinge anders zu betrachten.
  • Sprechen Sie mit anderen über Ihre Ideen: Ich habe festgestellt, dass, wenn ich versuche, ein bestimmtes Problem jemandem anderen zu erklären, der nicht so tief drinnen steckt, kommt automatisch die Lösung. Die andere Person muss dabei nichts anderes tun als zuzuhören und Fragen zu stellen. Sie werden erstaunt sein, wie oft diese Technik funktioniert.
  • Identifizieren Sie Motivationskiller: Die häufigsten Hindernisse, mit denen Menschen konfrontiert sind, ist der Verlust der Motivation, dass das Geld ausging oder sie nicht in der Lage waren, wichtige Person zu überzeugen. Aber es liegt so gut wie nie an fehlender Kreativität oder Ideenlosigkeit!

Unternehmen brauchen innovative Mitarbeiter, stehen aber noch vor der Herausforderung, den Beitrag eines Jeden abzuholen, um letztlich wirklich innovativ agieren zu können. Denn die reine Fortschreibung des bisherigen Denkmusters wird in keinem Fall mehr zu dauerhaftem Erfolg führen. Am Ende werden die siegen, die ihre Mitarbeiter ermutigen, Veränderungen zu initiieren und diese dann auch annehmen können.