Von Ingrid Gerstbach

Eines der größten Geheimnisse von Innovation lautet, dass in Wahrheit jeder dazu fähig ist, der sich für eine Sache begeistern und Durchhaltevermögen zeigen kann. Ich behaupte sogar noch viel mehr. Nämlich dass Innovation keine Rocket Science ist, sondern vielmehr ein iterativer Vorgang, ein trial and error Verfahren.

Innovation ist nichts anderes als eine Erneuerung

Wenn Sie den Begriff Innovation in Wikipedia nachschlagen, werden Sie auf folgende Definition treffen:

Innovation heißt wörtlich „Neuerung“ oder „Erneuerung“. Das Wort ist vom lateinischen Verb innovare (erneuern) abgeleitet. In der Umgangssprache wird der Begriff im Sinne von neuen Ideen und Erfindungen und für deren wirtschaftliche Umsetzung verwendet.“

Und genau das ist es: Sie müssen weder ein kreatives Genie noch arbeitswütig sein, um innovativ zu agieren. Es ist das eine Wort, das zählt: Erneuerung bzw. steckt der wirkliche Schlüssel im winzigen Detail „neu“.

"Neu" ist immer eine Sache der Perspektive

Viele Menschen tragen den Glaubenssatz mit sich, dass das Wort neu heißt, dass sie etwas erfinden müssen, das die Welt noch nie gesehen hat. Etwas, das alles bisherige in den Schatten stellt. Verfallen Sie nicht dieser irrigen Annahme! Machen Sie doch selbst einmal den Gegenbeweis: Denken Sie an irgendeinen großen Erfinder und ich garantiere Ihnen, dass die Idee, mit der er oder sie berühmt geworden ist, bereits vorher in der Geschichte aufgetaucht ist:

Pablo Picasso, zum Beispiel, hat viele Elemente des Kubismus der afrikanischen Malerei und vom französischen Maler Cézanne entlehnt.

Die Flugzeugpioniere Wright verbrachten Stunden damit, Vögel zu beobachten. Inspiriert von der Arbeit des gerade verstorbenen deutschen Maschinenbauers Otto Lilienthal fingen sie an, eigene Experimente mit Gleitflugzeugen durchzuführen.

Thomas Edison entwickelte zeitgleich mit Joseph Swan eine für den Masseneinsatz geeignete Glühlampe. Die beiden führten einen erbitterten Patentstreit, aus dem Edison als Sieger hervorging. Noch während des Prozesses meldete sich ein Deutscher namens Göbel als angeblich „eigentlicher Erfinder“ zu Wort und versuchte ebenfalls mit einem Patent sein Recht durchzusetzen.

Selbst in der heutigen High-Tech-Welt finden Sie eine gute Mischung zwischen dem, was wir als „neu“ bezeichnen, und Ideen aus der Vergangenheit: Das World Wide Web ist im Grunde schon Tausende von Jahren alt: Die ersten Netze wurden bereits von fleißigen Spinnen hergestellt, die die Fäden u.a. zur Kommunikation nutzen.

All diese Beispiele sollen Ihnen Mut machen und vor allem zeigen, dass der Trick für Innovation darin liegt, Ihre Perspektive auf das, was Sie als neu betrachten, zu verlagern. Das Neue einer Idee liegt in den Augen der Person, für die Sie diese Idee erstellen. Das ist im Grunde alles, was dabei zählt.

Ein Blick in den Werkzeugkasten eines Innovators

Nur: Diese erweitere Definition alleine ermöglicht Innovation trotzdem nicht ermöglichen. Im Werkzeugkasten eines jeden Innovateurs finden Sie in der Regel drei Dinge: Fragen, Experimente und Mut.

1. Fragen stellen

Der einfachste Punkt zu beginnen ist bei den Dingen, die Sie jeden Tag machen. Stellen Sie sich dazu folgende Frage: Wer macht das noch so und wie funktionieren das, wenn es anders gemacht wird?

Wenn Sie nur einen Weg zur Ausführung einer Tätigkeit kennen, versäumen Sie einiges. Vielleicht glauben Sie, dass die Art und Weise wie Sie diese Möglichkeit umsetzen, die beste ist? Ich wette selber gerne, aber bei der Wahrscheinlichkeit, dass es unglaublich viele, fast endlos andere Möglichkeiten gibt, würde ich nicht gerne wetten. Selbst einfache Tätigkeiten wie ein banaler Abwasch oder das Zubinden Ihrer Schnürsenkel gibt es in zig verschiedene Variationen, weil verschiedene Menschen auf der ganzen Welt andere Methoden dazu nutzen. Diese Alternativen sind alles potenziellen Innovationen für Sie! Gehen Sie raus und finden Sie Alternativen.

Wenn Sie nicht sicher sind, wie Sie damit am besten starten können, beginnen Sie mit folgenden Fragen:

  • Warum wird das so gemacht?
  • Wer hat damit begonnen und warum?
  • Gibt es alternative Wege?
  • Gibt es einen Art Vorgänger, der vorher bereits etwas ersetzt hat?
  • Was ist das Unangenehmste bei der Art und Weise, wie ich diese Sache benutze und welche Veränderungen könnten es besser machen?
  • Wie wird diese Methode in anderen Städten, Ländern, Kulturen benutzt?

Viele große Erfinder haben einfach die besseren Fragen gestellt. Und das ist der Grund, warum sie erfolgreich waren und andere nicht. Ohne Fragen zu stellen und sich umzublicken - gerade bei offensichtlichen oder alltägliche Dingen, hätten kreative Talente wie Newton, der das Wasser beobachtete und so auf die Idee der Schwerkraft beispielsweise stieß, nie eine Chance gehabt.

2. Versuchen Sie die Dinge selbst

Fragen zu stellen ist die eine Sache, aber sie auch zu beantworten, ist eine ganz andere. Es gibt keinen Ersatz für Erfahrungen aus erster Hand bei der Entwicklung von Ideen. Der einzigartige Aspekt, wer Sie sind, und die besonderen Eigenschaften, die Sie haben, sind wichtige Bereicherungen, wenn es um kreatives Denken geht. Niemand sieht die Welt genau so, wie Sie es tun.

Das bedeutet, dass, wenn Sie erleben, beobachten, oder etwas selbst machen, Sie dabei Beobachtungen machen und Erfahrungen sammeln, die andere Menschen nicht auf diese Weise erfahren können. Diese Entdeckungen sind die Samen für Innovation.
Denken Sie daran, dass das Wissen, das wir heute über das Universum haben, stammt nicht von Hexen oder Magiern. Sondern von neugierigen Menschen, die nicht nur Fragen hatten, sondern auch einen Drang, diese zu beantworten. Sie waren bereit, zu entdecken und an andere Orte zu gehen.

3. Experimentieren Sie, lernen Sie und versuchen Sie es erneut

Der letzte Schritt liegt in der Annahme, dass Sie nicht gleich beim ersten Versuch erfolgreich sein werden. Wenn Sie etwas Neues für sich selbst oder Ihre Freunde probieren, ist es schwer vorherzusagen, was das Ergebnis sein wird. Die Entwicklung eines innovativen Schreibgeräts ist die eine Sache, aber die Art, wie Leute darüber denken oder damit arbeiten, eine andere.

Es wird viele Stunden der Arbeit brauchen, damit Sie Ihre Neugierde wirklich befriedigen können. Diese Stunden sind aber essentiell - vor allem, wie Sie mit Fehlschlägen umgehen. Sie müssen den Mut finden, wiederauferstehen - ohne Scham oder Reue - und neue Fragen zu stellen: Was kann ich daraus lernen? Was werde ich beim nächsten Mal anders machen?

Wenn Sie das können - Fragen stellen, ausprobieren und lernen - wie die großen Erfinder und Schöpfer im Laufe der Geschichte es getan haben, dann steht Ihnen nichts mehr im Weg zu großen Entdeckungen. Wetten?

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