Von Ingrid Gerstbach

Ideen sind etwas sehr Fragiles - sie sind schnell durch Hohn, Sarkasmus oder Überheblichkeit ruiniert. Geistesblitze sind von ebenso empfindsamer Natur. Die falschen Wörter zur falschen Zeit bremsen die besten Ideen vollkommen aus. Dass Brainstorming vieler Orts einen schlechten Ruf genießt, liegt vor allem daran, dass die Regeln oftmals nicht eingehalten bzw. gar nicht bekannt sind.

Wenn Sie nicht als Ideen-Bremse bei der nächsten Design Thinking Workshop herhalten wollen, sollten Sie diese Killer-Phrasen besser vermeiden:

1. "Lassen Sie uns später Ihre Idee besprechen."

Ideen zu entwickeln und diese auch gleich zu besprechen sollte business as usual sein — wie ein guter, alter Bekannter am Arbeitsplatz. Natürlich ist es überhaupt nicht verkehrt, wenn Sie Ihre Ideen lieber in einem Park beim Spazieren gehen oder im Café austauschen und besprechen. Im Gegenteil: Eine Veränderung der Atmosphäre inspiriert oft zu neuem Denken.
Aber wenn Sie und Ihr Team immer wieder die Ideenfindung hinauszögern, verlieren Sie vieles an Spontanität und Leben. Und das sind nun mal die Hauptelemente von Geistesblitzen.

Ideen haben kurze Haltbarkeitsdauer - sie müssen dann ausgesprochen werden, wenn die Gedanken gerade im Fluss sind und die Leidenschaft lodert. Wenn Sie einen Ortswechsel brauchen, suchen Sie ihn lieber in der direkt Umgebung, buchen Sie dafür einen Extraraum oder spazieren Sie gemeinsam durch die Stadt.

Tipp: Achten Sie darauf, dass Ihr Raum zur Ideenerzeugung leicht zugänglich und einfach zu erreichen ist. Oft reicht auch eine selten genutzte Ecke oder die Kaffeeküche.

2. "Wir starten jetzt mit der Ideensammlung, also los!"

Wissen Sie, wie oft ich diesen Satz bei der Eröffnung eines Ideen-Meetings höre? Und was passiert? Die üblichen Verdächtigen quatschen los, während alle anderen herumkritzelt, Tagträumen, oder ihre iPhones checken.

Brainstorming ist in der Regel viel stärker und effektiver, wenn jeder zunächst ein paar Minuten für sich alleine verbringt und seine Ideen aufschreibt, bevor sie diskutiert werden. Denn Gruppen hemmen oft den kreativen Ausdruck. Dominant Menschen neigen dazu am meisten zu reden. Aber wenn die Leute zuerst ihre Gedanken aufschreiben können, dann arbeitet jeder auch aktiv an dem Problem mit.

Tipp: Versuchen Sie mal bei Ihrer nächsten Brainstormingsitzung, zunächst in das Problem einzuführen und verteilen Sie Post-its. Dann fordern Sie die Teilnehmer auf, fünf Minuten für sich alle Gedanken dazu so schnell wie möglich aufzuschreiben. Pinnen Sie dann als Moderator die Zettel an die Wand und lesen Sie eine nach der anderen vor. Danach wird die Team-Sitzung viel energischer und produktiver sein.

3. „Am Ende darf nur eine wirklich gute Idee übrig bleiben, die wir dann umsetzen.“

Ganz schlechte Idee. Denn wenn Sie den Teilnehmern bereits zu Beginn sagen, sie sollen sich auf die Erarbeitung einer einzigen, großen Idee konzentrieren, ist es, als würden Sie die kreativen Köpfe würgen und ihnen die Luft zum Atmen nehmen.

Eine der wichtigsten Regeln in der Ideenfindungsphase überhaupt lautet: Quantität vor Qualität - egal, ob über Multiplikation oder Subtraktion der Ideen untereinander. Das Ziel sollte es sein, mit einem Kübel voller Ideen den Raum zu verlassen, nicht mit einer sorgsam auf dem Tablett servierten Idee.

Tipp: Bevor Sie also mit der Ideenfindung starten, planen Sie gleich eine Follow-up-Sitzung für die Prüfung und Auswahl der Ideen, die Sie während des Brainstormings entwickeln. Erinnern Sie die Teilnehmer daran, dass die endgültigen Ideen erst in einer Folgesitzung während des Austauschs der anderen Ideen entstehen.

4. „Wir sind alle so beschäftigt, also vergeuden Sie unsere Zeit nicht mit so einem Unsinn.“

Dieser Satz geht oft Hand-in-Hand mit der vorherigen Aussage und sorgt für langweilige Ideen von total deprimierten Teilnehmern.
Gerade Brainstorming sollte ein sicherer Hafen für Verspieltheit, Experimente und eine gesunde Portion Unsinn sein! Denn genau diese sind die Quelle für geniale Ideen, die durchaus Sinn machen. Die Bedeutung von Unsinn ist eines der meist unterschätztesten Dingen überhaupt. In Wahrheit ist Unsinn doch nichts anderes als der Zustand, bei dem wir einfach noch nicht den richtigen Standpunkt gefunden haben.

Tipp: Ermutigen Sie also lieber Ihre Teilnehmer, so verrückt und wild wie nur möglich zu sein! Solche Ideen dienen oft als Startrampen für wirklich sensationelle Lösungen.

5. „Okay, bevor wir gleich das Meeting beginnen, lassen Sie mich Ihnen kurz ein paar Gedanken dazu sagen.“

Manager starten manchmal Brainstorming-Sitzungen mit solchen Worten. Das Ergebnis: Teilnehmer, die leicht eingeschüchtert sind, weil sich niemand traut, dem Chef zu widersprechen.

Tipp: Ein besserer Ansatz ist, wenn der Chef zunächst einmal das Problem beschreibt und erklärt, warum und für wen eine Lösung wichtig wäre.

Kennen Sie auch solche oder ähnliche Sätze? Wie geht es Ihnen damit? Es gibt nichts Motivierendes als zusammen im Team Ideen zu spinnen und weiterzudenken. Wichtig ist, dass Sie Ihr Urteil für die anschließende Bearbeitung und Auswertung der Ideen aufsparen und vor allem die Köpfe weit aufmachen für die Ideenfindung.

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