Von Ingrid Gerstbach

Design Thinking ist als Methode für viele Unternehmen interessant und reizvoll - die Hoffnung, Leidenschaft in sonst langweilige Themen zu packen, um dort zu einem großartigen Ergebnis zu kommen, ist groß, aber durchaus realistisch.

In den Köpfen der meisten Menschen löst das Wort Design aber mehr die Erscheinung eines physikalischen Objekts aus, wie ein Smartphone, und weniger den Gedanken an eine Dienstleistung oder einen Prozess. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum ich immer wieder mit der Frage konfrontiert werden, ob und inwiefern Design Thinking in anderen Bereichen als dem Produktbereich eingesetzt werden kann. Die Antwort ist hier eindeutig ja: Während die meisten meiner Kollegen sich auf die Entwicklung neuer Produkte spezialisiert haben, lege ich meinen Fokus auf die Entwicklung und Optimierung von Prozessen, Strategien und Dienstleistungen. Aber ganz unabhängig davon, wofür Sie Design Thinking als Methode einsetzen wollen - bei jedem Projekt entstehen wertvolle "Nebenprodukte", allein derentwegen Sie Design Thinking lieben werden :)

Bessere Kommunikation und wachsendes Vertrauen

In jedem Design Thinking werden Sie erleben, dass die Kommunikation sich maßgeblich verbessert, gegenseitiges Verständnis aufgebaut wird und vor allem das Vertrauen in sich und in die anderen wächst. Sie müssen sich aufeinander einlassen und darauf den Gedanken loslassen, dass Ihre Ideen für andere lächerlich klingen oder sie sich lustig darüber machen könnten. Erst wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie wirklich offen Ihre Gedanken mit den anderen Teilnehmern teilen können, ist der Boden für revolutionäre, innovative Lösungen geschaffen, den Sie brauchen, um in diesem Markt überleben zu können.

Gemeinsames Verständnis des Problems

Noch bevor überhaupt über mögliche Lösungen nachgedacht werden kann, muss das Problem in seiner Ganzheit erfasst und verstanden werden. Gar nicht so einfach, da wir Menschen gewohnt sind, die Welt meistens nur durch unseren eigenen Filter zu betrachten. Aber genau darin liegt die Riesen-Chance versteckt: Öffnen Sie sich für die vielen anderen Perspektiven der einzelnen Teilnehmer! Arbeiten Sie mit deren Ideen und Gedanken, versuchen Sie die Sichtweise von anderen nachvollziehen zu können. Im Design Thinking ist das Team aufgefordert, ein gemeinsames Verständnis für das Problem zu finden. Das bedeutet, dass z.B. sowohl Erkenntnisse aus der IT als auch Erfahrungen des Kunden miteinbezogen werden müssen. Das stellt sicher, dass jeder das gleiche Verständnis für das Problem hat, alle am selben Strang ziehen und vor allem, dass der Kunde auch genau das bekommt, was er braucht.

Beteiligung der Stakeholder

Damit ein Projekt wirklich als erfolgreich bezeichnet werden kann, ist es meiner Erfahrung nach unumgänglich, alle Stakeholder in den Prozess miteinzubeziehen. Es reicht nicht, wenn Sie dem Kunden/dem Endnutzer eine Abschlusspräsentation zeigen oder ihn mit der fertigen Software konfrontieren. Es geht darum, diese Personen konstant zu beteiligen und sie zu einem Teil des Design Thinking-Teams zu machen. Integrieren Sie sie bereits schon in die Ideenfindungsphase und vor allem in die frühe Testphase und stellen Sie auf diese Weise sicher, dass die Erwartungen des Kunden durch die vorgeschlagene Lösung auch tatsächlich erfüllt werden.

Risikoidentifikation und -minimierung

Natürlich gibt es keine Garantie für Erfolg. Risiken zu identifizieren ist zwar eine Aufgabe des Projektmanagers, aber es gibt immer einen Faktor X: Unvorhersehbare Ereignisse, die meistens dann auftauchen, wenn alles scheinbar reibungslos läuft. Der Design Thinking Prozess gibt aber dem Team einen Rahmen, mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen, wertvolles Feedback kontinuierlich zu integrieren und so wertvolle Ressourcen wie Zeit und Geld extrem zu schonen.

Unterstützung vom Management

Das Management bestimmt in der Regel, ob ein Projekt als erfolgreich oder erfolglos definiert wird. Als externe Beraterin werde ich meistens vom obersten Management bestellt, aber damit ist die Aufgabe des Managements noch lange nicht erledigt: Im Design Thinking Prozesse bitte ich das Management zunächst am Anfang dazu, um gemeinsam mit mir und dem Team das eigentliche Problem zu definieren und ihre Sichtweise darauf zu beschreiben. Später, wenn das Team die Theorie verlassen hat, gibt es eine Management-Präsentation, bei der wir die Ergebnisse und Erkenntnisse aus unserer Forschung präsentieren. Das ist einer meiner liebsten Stellen im Prozess, weil es hier immer zu vielen Aha-Erkenntnissen kommt. Zu einem späteren Zeitpunkt lernt das Management auch die frühen Prototypen kennen, um dann ihren Segen für die Realisierung des Projektes zu geben.

Design Thinking zahlt sich aus - bei jedem Projekt

Die Rahmenbedingungen und Methoden, die im Design Thinking zur Verfügung gestellt werden, helfen Hindernisse zu überwinden, neue Lösungen zu finden und einen nachhaltigen Erfolg bei der Projektplanung und anschließenden Realisierung zu gewährleisten.

Der Einsatz von Design Thinking bei Prozessoptimierungen oder Strategieentwicklungen führt einerseits dazu, die wichtigsten Betroffenen bereits vor der Projektdurchführung zu gewinnen und die Anzahl an späteren Änderungsanforderungen zu reduzieren und garantiert andererseits letztlich mehr erfolgreiche abgeschlossene Projekte.

Sind Sie neugierig geworden? Lassen Sie uns über Ihr Projekt reden!