Von Ingrid Gerstbach

„Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“ Albert Einstein

Angenommen dieselben Menschen treffen einander in derselben Umgebung, um an demselben Problem wie jeden Tag in derselben Sprache und demselben Verhalten zu arbeiten: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass dabei etwas Anderes als sonst herauskommt? Eben: Gleichheit erzeugt ein Mehr an Gleichheit. Die Welt ständig aus demselben Blickwinkel zu betrachten, wird dieselben Ideen produzieren.

Es gibt aber noch andere Gründe, die erfolgreiches Brainstorming boykottieren können:

  1. Mangelnde Vorbereitung. Ohne Vorbereitung funktioniert Brainstorming in den seltensten Fällen. Es reicht einfach nicht, zum Telefonhörer zu greifen und ein Treffen zusammenzurufen.
  2. Mangelnde Konzentration gekoppelt mit einer schlecht identifizierten Ausgangslage.
  3. Jede Idee sofort und aufgrund dessen, wie sie vorgebracht wurde, zu bewerten.
  4. Ein paar Teilnehmer die Diskussion an sich reißen lassen.
  5. Mangelde Struktur. Kreativität ohne Struktur erzeugt formloses Durcheinander.
  6. Angst, als dumm wahrgenommen zu werden oder etwas Falsches zu sagen.
  7. Ein ungelernter/ungeübter Moderator.

Grundlegende Brainstormingregeln

Alex Osborn hat in den 40er Jahren Brainstorming in die Wirtschaftswelt geholt und vier grundlegende Regeln entwickelt. Diese reduzieren einerseits soziale Hemmungen, die automatisch in jeder Gruppe existieren, und regen zweitens die Ideenfindung und Kreativität an.

  1. Konzentrieren Sie sich auf Menge: Je mehr Ideen quantitativ erzeugt werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine wirklich effektive Lösung gefunden wird.
  2. Halten Sie sich mit Kritik bei Ideen zurück: Wird die Idee sofort bei deren Nennung beurteilt, ist das der Tod für praktisch jede weitere Idee. Lassen Sie Ideen entstehen und schauen Sie, was daraus erwachsen kann. Oft dienen Ideen nur als Sprungbretter für weitere Ideen.
  3. Ermutigen Sie zu außergewöhnlichen Ideen: Je skurriler Ideen sind, desto mehr regen sie die Menschen zum Lachen an. Und nichts regt wiederum das kreative Denken mehr an, als wenn Menschen zusammen lachen können.
  4. Kombinieren und bauen Sie auf Ideen: Gute Ideen können miteinander verbunden oft noch bessere Ideen ergeben.

Mit diesen vier Regeln sind Sie bereits gut ausgestattet. Allerdings wird das Brainstorming trotzdem fehlschlagen, wenn Sie Folgendes nicht beachten: Brainstorming ist immer nur ein Teil eines größeren Innovationsprozesses. Wenn Sie Menschen auffordern, ins Blaue hinein Ideen vorzuschlagen, die kreativ sein sollen, werden Sie mit ziemlicher Sicherheit nur Stille zu hören bekommen (max. noch Hintergrundgeräusche). Brainstorming funktioniert dann hervorragend, wenn Sie es in einen Kontext einbetten, ihm eine Struktur geben und damit Raum für konzentriertes, zielgerichtetes und kreatives Denken schaffen.

Wie funktioniert Brainstorming?

  1. Definieren Sie von vornherein ein gemeinsames Ziel: Besprechen Sie vorab die Design Challenge, bestimmen Sie, welche Kriterien am Ende bestimmen, wann die Ideenfindung als erfolgreich gilt. Achten Sie darauf, immer den Kundennutzen im Fokus zu halten. Beschreiben Sie das Ziel so, dass es positiv formuliert ist, nicht einengt und doch realisierbar ist.
  2. Wählen Sie die richtigen Leute für Ihr Projekt aus: Reißen Sie Silos nieder und bitten Sie Menschen aus unterschiedlichen hierarchischen Formen, Abteilungen und auch Kunden, mit ihren Erfahrungen und ihrem Denken weitere Perspektiven hineinzubringen.
  3. Agieren Sie empathisch: Beginnen Sie den Hintergrund wirklich zu verstehen und sammeln Sie vorab Informationen über den Markt, Wettbewerb, Nutzer. Fragen Sie nach den Bedürfnissen und Motivationen der Menschen. Sammeln Sie Geschichten und extrahieren Sie größere Zusammenhänge zwischen en Informationen. Eine gute Frage kann danach sein, wie der Kunde das Problem/die Frage „normalerweise“ löst.
  4. Konzentrieren Sie sich nicht auf die Probleme, sondern auf das Ergebnis dahinter: Wenn Sie diese Perspektive einnehmen, bekommen Sie schnell eine andere Sichtweise auf die Fragestellung, als wenn Sie nur das Problem im Fokus haben.
  5. Die Ideenfindung startet bereits vor dem Brainstorming: Kreativität ist immer eine komplexe Mischung aus vielen verschiedenen Ideen: Denen von Einzelpersonen, aber auch denen, die wir in Gesprächen mit anderen finden. Geben Sie den Teilnehmern Zeit über die Fragestellung bereits im Vorfeld nachzudenken. Dadurch können sie sich schon inspirieren lassen, arbeiten bereits unbewusst an Ideen und reflektieren bzw. verbessern sie dadurch dann gemeinsam während des Brainstormings. Im besten Falle ersparen Sie sich dadurch lästige Heureka-Momente „Ah, jetzt ist es mir eingefallen: Das wäre doch eine gute Idee gewesen…“)
  6. Lassen Sie Ihr Brainstorming-Meeting von einem erfahrenen Moderator leiten: Ein geschulter Moderator mit viel Praxiserfahrung hört bereits Warnsignale im Vorfeld und kennt Methoden, um die Personen aus der Reserve zu locken. Das Wichtigste aber: Er oder sie weiß die richtigen Fragen zur richtigen Zeit zu stellen.
  7. Achten Sie auf eine angenehme Atmosphäre: Bauen Sie auf Ideen anderer auf und denken Sie in „Ja, genau, und“ anstelle von „Naja“ oder „Aber“. Versuchen Sie loszulassen, hören Sie gut zu, schauen Sie hin, erschaffen Sie gemeinsame Visionen, inspirieren Sie einander. Dadurch erschaffen Sie auch eine Atmosphäre aus Spaß, Leichtigkeit und Spontaneität.
  8. Verwenden Sie verschiedene Methoden zur Ideenfindung: Versuchen Sie neben Clustern und Mindmapping zum Beispiel auch mal Brainwriting oder die 6-3-5 Methode. Achten Sie dabei, was die Gruppe braucht, ob Sie z.B. Vielquatscher in einer Gruppe haben, die Sie so effizient zum Schweigen bringen können. Geben Sie aber jeder Methode mindestens 20 Minuten Zeit - je nach Energie und Diskussion der Gruppe.

Die Ideenfindung ist nicht umsonst ein ganz wichtiger Schritt im Design Thinking Prozess. Brainstorming im richtigen Rahmen und zur rechten Zeit eingesetzt, schafft nicht nur Neues, sondern hilft auch eingetrampelte Pfade zu verlassen.

P.S. Die Brainstorming-Regeln finden Sie hier in Plakatform.