Von Ingrid Gerstbach

Für mein neues Buch, das im Herbst 2016 erscheinen wird, habe ich mich gerade intensiv mit der idealen Zusammenstellung eines Design Thinking Teams auseinander gesetzt. Viele Experten raten dazu, das Team auf sogenannten "T-förmigen" Personen zusammenzustellen. Aber was bedeutet eigentlich "T-förmig"? Und vor allem: Was ist mit all denen, die nicht „T-förmig“ sind?

Wie viel Expertenwissen darf's sein?

Der Ursprung der Bezeichnung „T-förmig“ ist unklar. Einige Quellen berichten davon, dass der Begriff von Dave Guest im Jahre 1991 geprägt wurde. Andere wiederum sagen, dass IBM Mitte der 1990er Jahre die interne Mitarbeiterförderung und -entwicklung „T-Shaped Career“ nannte.

Unabhängig von seiner Abstammung hat sich der Begriff „T-förmig“ bereits stark verbreitet: T-förmige Menschen besitzen zwei verschiedene Arten von Know-how. Während der horizontale Balken für das Wissen aus anderen steht, stellt der vertikale Balken vor allem das Fachwissen dar. Menschen mit solch einem Wissen schauen in ihrem Job gerne über den Tellerrand, arbeiten gut im Team und sind bereit, ihr fundiertes Wissen zu teilen.

Aber nicht jede Person fühlt sich mit dieser Definition wohl und verstanden. So wurde diese Theorie mit nahezu dem gesamten Alphabet und verschiedensten Hieroglyphen und Zeichen erweitert. Die folgende Aufzählung stellt nur einen kleinen Ausschnitt dar und ist keinesfalls vollständig...

Sie sind dran: Ihre Form bitte!

Im Design Thinkings brauchen wir vor allem Menschen, die aus verschiedenen Berufen unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen mitbringen und bereit sind, diese mit anderen zu teilen und anderen zuzuhören. Das bedeutet, dass unabhängig vom jeweiligen Wissen, vor allem eines im Vordergrund stehen sollte: Eine gewisse Neugierde für andere Menschen und Offenheit für Unbekanntes. Denn: Eine Spezialisierung ohne wirklich tangierende Interdisziplinarität macht weder dauerhaft glücklich noch hilft es, wirklich funktionierende, bahnbrechende Ideen und Lösungen zu entwickeln.

Wie können Sie nun Ihr Profil herausfinden? Stellen Sie sich zunächst folgende Fragen:

  1. Habe ich in einer speziellen Disziplin so etwas wie Expertenwissen? Bin ich auf einem oder mehreren Gebieten unschlagbar und hab ein großes Fach- und Faktenwissen?
  2. Welches interdisziplinäre Wissen und Können habe ich noch? Gibt es Kompetenzen, die ich ebenfalls erfolgreich einsetzen kann, wenn auch nicht in dieser Tiefe?

Tauschen Sie sich mit Kollegen aus. Gerade wenn es um die eigene Person und das eigene Wissen geht, sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Sehen Sie sich nun die unten aufgelisteten Buchstaben an. Erkennen Sie sich wieder? Wenn Sie Ihr Wissen in eine Richtung erweitern wollen, was fehlt Ihnen dazu noch?

Von Spezialisten und Generalisten

Zunächst sehen wir uns die Personen an, die sowohl eine vertikale als auch eine horizontale Leiste ihr eigen nennen. Der vertikale Balken schließt Soft Skills wie Empathie, Teamfähigkeit, Interessen, aber auch das Wissen von anderen Disziplinen mitein, während die horizontale Leiste für Know-how und Wissen in einem Spezialgebiet steht.

  • E-förmige: Das E steht eigentlich für vier horizontale Balken und zeigt die Berufserfahrung, den guten Hausverstand, die Fähigkeit, Dinge gut auszuführen und den Forscherdrang.
     
  • H-förmig: Das Mittelstück dient als Brückenbauer, das zwei Experten in sonst nicht verwandten Kategorien miteinander verbindet. Diese sind vergleichbar mit Bindestrich-förmigen Menschen, können sich aber noch tiefer in die Materie einlassen.
     
  • I-förmig: Menschen, die eine tiefe Expertise in nur einem Feld haben.
     
  • Bindestrich-förmig (-): Diese Leute haben einige Erfahrung in vielen Bereichen, aber könnten in keinem einzigen als wirkliche Experten bezeichnet werden. In anderen Worten sind das die wahren Generalisten.
     
  • Pi-förmig (π): Diese Personen haben Expertenwissen in zwei voneinander getrennten Fachgebieten. Der Balken verbindet diese auf sinnvolle Art und Weise.

Kreuzformen

Solche Formen bezeichnen Menschen mit zwei verschiedenen Fachgebieten, die gegenseitig voneinander profitieren.

  • V-förmig: Die einfachste Form einer Kreuzform. Diese Person hat Wissen von zwei Fachgebieten, die natürlich miteinander verbunden sind.
     
  • Y-förmig: die weiterentwickelte V-Form. Dabei hat eine Person ebenfalls Kenntnisse über zwei separate Fachgebiete, die sich natürlicherweise überlappen, aber diese werden noch durch eine dritte Fertigkeit erweitert oder zu einer gemeinsamen kombiniert.

Fazit

Wie gesagt ist das sicher nur eine kurze Ausführung an verschiedenen Möglichkeiten, verschiedene Stufen von Spezialwissen gepaart mit Soft Skills zu kategorisieren. Nicht umsonst heißt es: Ideen sind wie Nasen - jeder hat eine.

Wichtig ist aber vor allem, dass Sie nicht nur Ideen haben, sondern vor allem wissen, wie Sie diese gekonnt umsetzen können. Unabhängig davon, welcher Buchstabe oder Zeichen Ihren Kompetenzen am nächsten kommt.

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