Von Ingrid Gerstbach

Eines der Hauptelemente im Design Thinking ist das Team. Je unterschiedlicher die verschiedenen Perspektiven und Erfahrungen, desto besser für die Problemlösung. Nehmen wir nun mal an, Sie haben für Ihren Design Thinking Workshop unterschiedliche Personen aus Ihrem Unternehmen zusammengebracht. Sie setzen große Hoffnungen in die Gruppe. Aber irgendwie haben Sie das Gefühl, dass etwas schief läuft - es scheint, als würde die Gruppe Ihr Unterfangen boykottieren...

 Beispiele aus dem Alltag

  • Vielleicht gibt es in der Gruppe eine Person, die sich ständig überkritisch gegenüber allen anderen Ideen äußert, aber selbst nicht viel beiträgt. Sie fragen sich, ob diese Fehlersuche andere entmutigt, ihre Ideen auszusprechen.
  • Ein anderer Kollege wiederum ist maximal körperlich anwesend. Wenn Sie nach seiner Meinung fragen, bekommen Sie zunächst ein Herumgestammel und dann - im besten Falle - eine Zustimmung von dem, was dominantere Kollegen bereits gesagt haben.
  • Noch dazu haben Sie vielleicht ein Mitglied in der Gruppe, das ständig herumblödelt und dadurch die Dynamik der Diskussion stört.

Spielt sich in Ihrer Gruppe eines dieser Beispiele ab, ist Vorsicht für das Projekt angesagt! Solch eine Gruppendynamik ist Gift für den Projekterfolg und untergräbt gleichzeitig die Moral und das Engagement aller Beteiligten im Eiltempo.

Was ist Gruppendynamik?

Kurt Lewin, Sozialpsychologe und Change-Management-Experte, hat in den 1940er Jahren den Begriff „Gruppendynamik“ geprägt. Lewin stellte fest, dass Menschen oft unterschiedliche Rollen und Verhaltensweisen annehmen, die sich nicht mit ihrem normalen Verhalten decken, wenn sie in einer Gruppe zusammenarbeiten. Der Begriff Gruppendynamik beschreibt die Auswirkungen dieser Rollen und Verhaltensweisen auf andere Gruppenmitglieder bzw. auf die Gruppe als Ganzes.

Eine Gruppe mit einer positiven Dynamik ist leicht zu erkennen: Die Teammitglieder vertrauen einander, sie arbeiten kollektiv auf eine Entscheidung zu und sie fühlen sich gegenseitig verantwortlich für die Dinge, die geschehen. Wenn eine solche Dynamik in einer Gruppe herrscht, ist bereits die halbe Miete gewonnen. Forschungen zeigen, dass Teams mit einer solchen Gruppendynamik doppelt so kreativ wie eine durchschnittlichen Gruppe sind.

In einer Gruppe mit schlechter Gruppendynamik stört das Verhalten der einzelnen Personen die gesamte Arbeit. Eine Folge ist oft, dass die Gruppe zu keiner Entscheidung findet oder eine falsche Wahl trifft, da die Gruppenmitglieder die verschiedenen Möglichkeiten nicht gut genug auskundschaften konnten.

Was sind die Ursachen für eine schlechte Gruppendynamik?

Sowohl die Moderatoren/Gruppenleiter als auch die einzelnen Mitglieder des Teams können zur negativen Gruppendynamik beitragen. Werfen wir einen Blick auf einige der häufigsten Probleme, die auftreten können:

  • Führungsschwäche: Wenn dem Team ein starker Führer fehlt, übernimmt oft das dominanteste Mitglied der Gruppe die Führung. Das kann zu Machtkämpfen führen oder auch dass in der falschen Richtung nach Lösungen gesucht wird oder der Fokus auf den falschen Prioritäten liegt
  • Übertriebene Obrigkeitshörigkeit: Wenn Teammitglieder (unbewusst) unterstreichen wollen, dass sie mit dem Projektleiter/Moderator vollkommen zustimmen, halten sie die eigene Meinung zurück und widersprechen nicht.
  • Blockieren: Wenn die Teammitglieder sich so verhalten, dass der Informationsfluss in der Gruppe gestört wird, kommt es zu Blockaden.

Die "schwarzen Schafe" im Detail

  1. Der Angreifer: ist oft nicht einverstanden mit der Meinung anderer, verkündet das auch gerne lauthals oder äußert sich unangemessen.
  2. Der Verneiner: spricht sich oft entschieden gegen andere Ideen aus. Einfach aus Prinzip.
  3. Der Außenstehende: will sich an Diskussionen erst gar nicht beteiligen.
  4. Der nach Anerkennung Suchende: ist prahlerisch und versucht das Meeting zu dominieren.
  5. Der Joker: hat lauter Witze auf Lager, die vollkommen unpassend und vor allem unlustig sind und nerven.
  6. Der Trittbrettfahrer: lässt seine Kollegen die ganze Arbeit machen. Trittbrettfahrer sind oft für sich alleine sehr fleißig, aber begrenzen sehr stark ihre Arbeit in Gruppensituationen. Auch bekannt unter dem Begriff „soziales Faulenzen.

Wie kommt es zu diesen Rollen?

Angst vor Bewertungen: Wenn die Teammitglieder spüren, dass sie übermäßig hart von anderen Gruppenmitgliedern beurteilt werden, sorgt das für Spannung innerhalb der Gruppe. Das kann zu zwei Ergebnissen führen: Im schlimmsten Fall halten Personen ihre eigene Meinung zurück. Wenn das passiert, ist es schwerer mit einander zu kommunizieren und herauszufinden, warum jemand nur schweigt - vor allem, wenn man diese Person nicht in anderen Rollen kennt. Im besseren Fall kommt es zum Austragen dieser Emotionen in der Gruppe. Ein reflektierter und geübter Moderator spürt diese Spannungen und kann so schnell intervenieren.

Strategien zur positiven Gruppendynamik

Kennen Sie Ihr Team
Als Moderator/Projektleiter führen Sie Ihr Team durch den Design Thinking Prozess. Starten Sie damit, dass Sie sich zunächst selbst über das Phänomen Gruppendynamik bewusst werden. Versuchen Sie die verschiedenen Gruppenrollen schon vorab zu identifizieren und zu verstehen, wie diese sich auf die Gruppe als Ganzen auswirken wird. Das wird Ihnen helfen, schnell auf Probleme zu reagieren bzw. diese schon im Vorhinein abzufangen.

Spüren Sie schnell mögliche Probleme auf
Wenn Sie merken, dass ein Mitglied Ihres Teams andere stört oder verunsichert, sollten Sie schnell reagieren. Geben Sie dem Betroffenen Rückmeldung über die möglichen Auswirkungen der Handlung und ermutigen Sie ihn oder sie dazu, das Verhalten zu ändern. Machen Sie das am bestern aber nicht in der Gruppe, sondern bitten Sie um eine kurze Unterredung unter vier Augen.

Rollen und Verantwortlichkeiten definieren
Ein Team, dem der Fokus oder die Richtung fehlt, kann schnell eine schlechte Dynamik entwickeln, da die Menschen kämpfen, um ihre Rolle in der Gruppe zu verstehen. Erstellen Sie deswegen ein bereits bei der Teamaufstellung ein Team Charter, in dem Sie die Mission der Gruppe und die einzelnen Pflichten festlegen. Stellen Sie sicher, dass jeder bereits im Vorfeld dieses Dokument kennt und erinnern Sie die anderen regelmäßig daran, sich dieses Dokument immer wieder mal anzusehen.

Grenzen überwinden
Verwenden Sie Team-Building-Maßnahmen, um einander besser kennenzulernen, insbesondere wenn neue Mitglieder in die Gruppe kommen. Bestimmte Übungen erleichtern neuen Kollegen den Einstieg in die Gruppe und tragen zu einem starken Wir-Gefühl ungemein bei.

Konzentrieren Sie sich auf Kommunikation
Offene Kommunikation ist von zentraler Bedeutung - auf in Bezug auf Gruppendynamik. Sorgen Sie also dafür, dass jeder klar kommuniziert. Besprechen Sie Regeln für alle Formen der Kommunikation, die Ihre Gruppe verwendet - E-Mails, Meetings, Beobachtungen, Interviews etc. - um Unklarheiten zu vermeiden.
Wenn sich der Status eines Projekts ändert oder wenn es wichtige Neuerungen gibt, sollten alle Beteiligten so schnell wie möglich dann erfahren. Auf diese Weise können Sie sicherstellen, dass jeder die gleichen Informationen hat.

Kennen Sie die Warnzeichen
Achten Sie besonders auf auffallend häufig stattfindende, einstimmige Entscheidungen, da diese ein Zeichen für Gruppendenken ist. Wenn dies der Fall ist, ermutigen Sie das Team, neue Wege zu gehen, anonym abzustimmen oder die verschiedenen Ansichten zu diskutieren.

 

Ein wichtiger Teil Ihrer Rolle als Moderator einer Design Thinking Session ist, darauf zu achten wie Ihre Gruppe interagiert. Viele der Verhaltensweisen, die zu einer schlechten Dynamik führen, können leicht überwunden werden - wenn Sie rechtzeitig damit anfangen.

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