Von Ingrid Gerstbach

Allerorts wird über Ideenlosigkeit gejammert: Das Aussuchen von Geburtstagsgeschenken löst bei den meisten bereits Schnappatmung aus, im Fernsehen scheinen sich die Inhalte nur mehr durch die verschiedenen Schauspieler zu unterscheiden. Auch die Arbeitgeber von heute kämpfen mit allen Mitteln gegen das Gespenst „Ideenlosigkeit“.

Meiner Erfahrung nach gibt es viele Gründe, die dafür sorgen, dass es in Abteilungen an Ideen und kreativen Lösungsvorschlägen mangelt: Nicht selten geben Führungskräften kreativen Mitarbeitern das Gefühl, dass deren Ideen nicht ausgereift sind oder nicht funktionieren können, da sie veraltet sind oder weder zur Dienstleistung noch Unternehmen passen. Oder Ideen werden im Keim erstickt, weil der Druck zu groß ist oder Ideen manchmal als die eigene verkauft werden.

Auch wenn die Ursache dafür ausgeforscht werden sollte, um in Zukunft ein kreativeres Umfeld zu schaffen, ist es für den Moment egal, ob dieses Verhalten bewusst oder unbewusst erfolgt.  Schlimmer sind die Folgen: Demotivierte Mitarbeiter, die sich fühlen, als hätte ihnen jemand eine Ohrfeige verpasst, und die im schlimmsten Fall nur mehr Dienst nach Vorschrift verrichten.

Gute Ideen entstehen aber nicht alleine durch Zufall. Vielmehr kann ihnen auch auf die Sprünge geholfen werden. Beispielsweise indem eine Umgebung geschafft wird, die kreativ und inspirierend ist, in der gedacht und entwickelt werden darf. Dafür braucht es vor allem im Unternehmen eine Art Ideenentwicklungskultur. Neben der Möglichkeit, die Räume offen und einladend zu gestalten und wo es möglich ist Whiteboards und Flipcharts zur Visualisierung anzubringen, können auch die Mitarbeiter aktiv gefördert werden: Bereiten Sie dafür eigene Workshops zeitlich so auf, dass Ideen sich überhaupt erst formen können, dass Schwung und eine Energie entstehen kann, die alle mitreißt. Setzen Sie erreichbare Ziele, sparen Sie mit Kritik und lassen Sie Ideen wachsen. Geben Sie Ihren Mitarbeitern in der Arbeitszeit den Raum, um Ideen entwickeln zu können.

Auch ein neuer Blick führt zu neuen Denkanstößen. Mischen Sie Teams anders zusammen, binden Sie andere Abteilungen, die vielleicht nur entfernt mit der Thematik zu tun haben, mit ein. So wirken Sie nicht nur der Ideenlosigkeit entgegen, sondern signalisieren gleichzeitig, dass Kreativität ein wichtiger Aspekt für Sie ist und auch den passenden Rahmen dafür bekommt.

Belohnen Sie neue Ideen, auch wenn nicht alle umgesetzt werden können oder in den Kontext passen. Auch wenn eine Idee noch nicht ausgereift ist, hat sie dennoch Zeit und Energie gekostet. Und hat sich damit ein wenig Anerkennung und zumindest einen kurzen, ehrlichen Blick darauf verdient. Nehmen Sie sich daher auch bewusst Zeit und geben Sie Ihren Mitarbeitern das Gefühl, sich für ihre Ideen zu interessieren.

Keine Sorge, konstruktive Kritik hat ebenfalls ihren Platz: Sagen Sie ruhig, wo es hakt oder was funktioniert und was noch besser durchdacht werden kann. Aber achten Sie darauf nicht nur auf Schwachstellen zu reagieren, sondern mit den richtigen Ratschlägen weiterzuhelfen

Um dem Team den Start zu erleichtern, geizen Sie nicht mit Informationen. Manchmal bedarf es auch nur eines kleinen Impulses von außen in Form eines Vortrags oder eines Workshops mit einem Experten und die Ideen fließen wieder wie von alleine.

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