Von Ingrid Gerstbach

Es muss nicht immer Brainstorming sein

Neulich in einem Workshop, den ich begleitet, nicht aber moderiert habe, folgte das beliebte Kommando: Und jetzt seien Sie mal kreativ! Zugegeben: Gute Ideen braucht jeder. Aber auf Knopfdruck Spontanität anzuordnen, so engagiert sie auch sein mag, schafft nur eines: Am Ende wird damit jegliche Kreativität und Spontaneität im Keim erstickt.

Dabei gibt es durchaus Methoden, die der Kreativität auf die Sprünge helfen können.

Mind-Mapping

Diese Technik hat  viele in ihrer Schullaufbahn genervt. Dabei ist eine Mind-Map in Wahrheit besser als ihr Ruf. Ideen werden nunmal nur in den seltensten Fällen linear erdacht. Die Mind-Map ermöglicht es Ihnen, zwischen Gedankengängen und Ideen immer wieder hin und her zu springen, ohne den eigentlichen Punkt aus den Augen zu verlieren.

Wie? Als Erstes schreiben Sie den Begriff oder malen Sie ein Symbol in die Mitte eines leeren Blattes (Bilder eignen sich dazu besser als Worte, da diese stärkere Assoziationen auslösen). Einzige Voraussetzung: Das Bild sollte zur Fragestellung passen. Trauen Sie sich ein Bild zu malen: Erstens müssen Sie es niemanden zeigen und zweitens kurbeln Sie so schneller den kreativen Denkprozess an.
Neben Ihrem kleinen (!) Kunstwerk notieren Sie alle Einfälle und Schlagwörter und verbinden Sie sie mit geschwungenen Linien. Der Erfinder der Mind-Map, Tony Buzan, glaubt, dass gerade Linien das Hirn nur langweilen und das wäre bei dieser Methode fatal.
Nehmen Sie pro geschwungener Verzweigung nur ein Wort, um mehrere Assoziationen zu entwickeln. Diese können Sie dann auch mehrfach untereinander verknüpfen, um wieder neue Assoziationen zu schaffen.

Ziele setzen

So seltsam es vielleicht im ersten Moment anmutet, tatsächlich hilft es vielen am meisten, wenn sie sich zunächst ein Feld abstecken. Setzen Sie sich also konkrete Ziele und formulieren Sie klar einzelne Kriterien.

Eine mögliche Methode bietet die SMART-Formel: Dabei steht S für „spezifisch“ – jede Situation erfordert ein anderes, konkretes Ziel. M fragt nach der „Messbarkeit“, A nach der „Attraktivität“ unseres Vorhabens, R steht für „realistische“ Ziele, die positiv formuliert sein sollten (je unrealistischer das Ziel, desto mehr deprimieren und blockieren diese Lösungen), T legt schließlich den „Termin“ fest.

Ein Beispiel für ein smartes Ziel(S): Bis Ende diesen Monats (T) brauchen Sie drei mögliche Themen (M) für die nächste Kundenpräsentation (da Sie dafür noch zwei Wochen Zeit haben, ist das wohl R). All diese möglichen Themen sollten Sie interessieren (A).

Nicht jedes Ziel muss tatsächlich alle Kriterien vollständig erfüllen. Attraktive und realistische Ziele ergeben sich häufig von allein. Allerdings ist die Messbarkeit in vielen Fällen der Knackpunkt: Woran kann ich messen, dass das Ziel tatsächlich erreicht wurde? Wenn das Ziel zu groß ist, dann zerlegen Sie es in kleinere, leichter messbare Schritte.

Haben Sie die Kriterien erfüllt? Prima! Die Grundbasis für die weitere Arbeit ist somit gelegt.

Die Walt-Disney-Methode

Hinterfragen und denken Sie über neue Ideen und deren Möglichkeiten nach. Zu viel auf einmal auszuprobieren, hindert weitere Ideen. Beginnt man außerdem gleich mit der Umsetzung der Erstbesten, können Sie sich schnell selber blockieren und enden bereits nach kurzer Zeit in einer Sackgasse. Blocken Sie Zweifel nicht gleich ab, sondern integrieren Sie sie in den Prozess.

Disneys Geheimnis für Mickey, Schneewittchen und Co.: Teilen Sie drei verschiedene Orte für den Träumer, den Realisten und den Kritiker ein (es reichen auch Stühle, denen Sie die drei Beschreibungen geben). Der Ort des Träumers sollte groß, hell, bunt und mit Bildern verziert sein, der Realist bekommt einen großen Tisch mit Hilfsmitteln und der Kritiker einen engen Raum für die Beurteilung der Ideen.

Zuerst werden Visionen und Ziele entwickelt, ganz ohne Grenzen, Vorgaben und Einschränkungen. Jeder noch so verrückte Ansatz, kann einen Schatz in sich bergen. Danach zieht sich der Realist mit der gewonnenen Ideen zurück und stellt sich Fragen wie: Was muss getan oder gesagt werden? Was wird für die Umsetzung benötigt? Nun ist der Kritiker an der Reihe. Seine Analyse beinhaltet Fragen wie: Was sind Chancen und Risiken? Wurde etwas übersehen?  Der Prozess ist dann abgeschlossen, wenn keine weiteren Fragen offen sind oder wenn es keine Optimierungsmöglichkeiten mehr gibt.

Edward de Bonos farbige Denkhüte

Ähnlich funktionieren die sechs Denkhüte von Edward de Bono, bei denen ein Thema von sechs Seiten betrachtet wird. Dafür bekommen Teilnehmer je nach Perspektive eine andere Farbe (z.B. in Form von Hüten oder Kappen oder auch normale Zettel reichen) zugeordnet, mit der sie sich dann identifizieren und sich dafür einsetzen. Weiß steht für den Analytiker, rot für die Emotion, schwarz ist der Kritiker, gelb der Optimist, grün der Kreative und blau der Ordnungsliebende.

Das mag albern klingen, aber mit dieser Technik können verschiedenen Sichtweisen betrachtet werden, ohne Ideenfindung und Kritik miteinander zu vermischen.

Brainstorming? Lieber nicht!

Dass gemeinsames Brainstorming auf klassische Art und Weise in Gruppen nicht funktioniert, wurde bereits mehrfach wissenschaftlich belegt. So zeigt z.B. ein Experiment der Universität Utrecht zeigte, dass Gruppen 20 bis 50 Prozent weniger (und noch dazu unoriginellere) Ideen hervorbringen als der Einzelne.

Warum? Hierarchie, Konkurrenzdenken und Ängste verhindern, dass jeder sagt, was ihm wirklich gerade in den Sinn kommt. Auch wird dabei nicht zugehört, sondern viele sind damit beschäftigt, sich Ihre Ideen für später zu merken.

Etwas abgewandelt funktioniert die Methode aber durchaus. Zum Beispiel indem Sie die Teilnehmer alleine arbeiten lassen und in einem für alle zugänglichen Dokument die Ideen niederschreiben.

Wer fragt, fängt an zu denken

Zu guter Letzt, halten Sie es wie Albert Einstein „Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig.“

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