Von Ingrid Gerstbach

Treffen wir zum ersten Mal auf eine Person, stellen wir uns unwillkürlich Fragen wie:

  • Inwieweit ist sie kontaktfreudig
  • Ist es angenehm mit dieser Person zusammen zu sein?
  • Ist es klug, ihr bestimmte Aufhaben anzuvertrauen?
  • Kann ich sie um Rat fragen?

Gerade in der Beraterbranche ist der richtige Ton das A und O. Ihre fachliche Qualifikation kann noch so außergewöhnlich sein - am Ende zählt der Gesamteindruck. Wer sich authentisch, charmant und kultiviert zeigt, der wird automatisch von den meisten als sympathisch eingestuft. Was im privaten Umfeld vielleicht völlig okay, ist im Beruf unangebracht. Verschaffen Sie sich den entscheidenden Vorteil mit ein wenig Geschick.

  • Von der richtigen Begrüßung

Es ist nicht immer einfach: Plötzlich stehen Sie vor einer Gruppe an fremden Menschen und müssen sich vorstellen. Wie aber vorgehen? Dazu gibt es eine einfach Regel. Gehen Sie nach Hierarchie: Zuerst wird der Ranghöchste begrüßt, selbst im Dasein des weiblichen Geschlechts, und dann nach dem Alter und Geschlecht. Das heißt: Ältere vor jüngeren und Damen vor Herren.

  • "Gnädiges Fräulein"

Auch wenn Ihre Mutter Ihnen davon vorgeschwärmt hat: Verzichten Sie auf veraltete Gepflogenheiten! Statt "angenehm" sagen Sie lieber "Ich freue mich, Sie kennenzulernen", der leichten Verbeugung ziehen Sie den festen Händedruck vor. Aber auch hier gilt: Bleiben Sie immer authentisch!

  • Wahren Sie Distanz

Der körperliche Abstand orientiert sich nach der Kultur, in Ö und D gilt alles unter 50cm aber bereits als intime Distanzzone, 50-120 cm beträgt die persönliche Distanz (Gespräche bei Partys, Empfängen, Händeschütteln), während der gesellschaftliche Abstand, in dem wir uns zumeist bewegen, ab ca. 120 cm beginnt. Zu wenig Abstand ist unangenehm. Das ist gerade im Aufzug gut beobachtbar, wenn die Schilder oder der Boden höchst interessant zu sein scheinen, um Blickkontakt zu vermeiden. Wollen Sie einer Person mit Behinderung behilflich sein, fragen Sie zuerst nach, bevor Sie jemanden "zu nahe treten".

  • Eindeutige Choreographie: Der Empfang

Empfangen Sie Besuch in Ihren Räumlichkeiten, dann führen Sie Ihre Gäste zum Meetingsraum. Lassen Sie diese nicht allein durchs Haus irren, auch bei der Verabschiedung nicht. Begleiten Sie diese zur Türe und gehen Sie immer voraus. Öffnen Sie auch die Türen, aber bleiben Sie so stehen, dass die Personen vorbeikommen ohne sich durchquetschen zu müssen.

  • Der richtige Auftritt

Seien Sie stets pünktlich. Wurde eine bestimmte Zeit vereinbart,  versuchen Sie sich ein paar Minuten vorher schon dort zu befinden. Es ist unhöflich andere Menschen warten zu lassen und wirkt zudem noch unvorbereitet und unprofessionell.

  • Kartenspiele

Üblicherweise werden bei ersten Treffen Visitenkarten ausgetauscht. Stecken Sie diese nicht ungelesen gleich in die Tasche, sondern studieren sie die Karte kurz und geben Sie sie dann zu Ihren Unterlagen. Achten Sie auch darauf, selber eine Karte immer mitzuhaben: Alles andere wirkt, als wäre Ihr Gegenüber sowie das Thema uninteressant und raubt eigentlich nur wertvolle Zeit.

  • Immer und überall erreichbar

Nehmen Sie Anrufe nur in wirklich dringenden Fällen an und entschuldigen Sie sich vorab, wenn Sie einen solchen erwarten. Klingelt das Smartphone ständig, sorgt das für Unruhe und verhindert das Fortschreiten der Konversation. Am besten stecken Sie das Handy gleich weg - platzieren Sie es niemals demonstrativ am Tisch! Achten Sie auch auf die Wahl Ihres Klingeltons und schalten Sie lieber auf Vibration um.

  • Was denken Sie eigentlich, wer Sie sind?!

Auch wenn es Ihnen schon auf der Zunge brennt: Bleiben Sie immer höflich! Auch in den größten Stresssituationen sollten Sie Ihrer Wut nicht nachgeben. Auch wenn es eine große Herausforderung darstellt: Zählen Sie innerlich von 10 hinunter und versuchen Sie sich den Standpunkt des Gegenübers ruhig anzusehen.

  • So ein Unsinn...

Ziehen Sie Entscheidungen nie vor anderen in Zweifel und stellen Sie andere vor neuen Kunden nicht bloß. Das wirkt nicht souverän, sondern eher anbiedernd. Außerdem fragt sich Ihr Gegenüber, wie Sie über ihn oder sie das nächste Mal bei anderen sprechen. Bleiben Sie lieber sachlich. Wenn Sie Stellung beziehen wollen, dann argumentieren Sie Ihre Sicht der Dinge.

  • Ich bin begeistert!

Es wird zwar jeder gerne gelobt, aber bleiben Sie unverfänglich und vorsichtig. Gerade bei Frauen achten Sie darauf, dass das Kompliment sich vor allem um Leistungen und Charakterzüge dreht und nicht um das Aussehen.

  • Wie war Ihr Urlaub?

Smalltalk ist eine Kunst für sich. Bleiben Sie dabei stets positiv und vergessen Sie nicht: Es geht nicht um ernste und tiefgründige Inhalte, sondern darum, einander zu beschnuppern und eine Basis für eine gute Beziehung zu legen. Suchen Sie nach Gemeinsamkeit und vermeiden Sie Themen, die schnell zu Differenzen führen können (Fragen zur Politik, Religion etc.).


Wenn Sie andere im Berufsleben von Ihrer Kompetenz, Zuverlässigkeit und der Qualität Ihres Unternehmens überzeugen wollen, nutzen Sie die Macht des ersten Eindrucks für sich.
Dennoch: nobody is perfect!
Deswegen meine Empfehlung: Suchen Sie sich jemanden als Vorbild und orientieren Sie sich so oft wie möglich an dieser Person. Lesen Sie auch ab und an ein Buch über moderne Umgangsformen und bleiben Sie dran - Sie werden den Unterschied schon bald merken!

 

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