Von Ingrid Gerstbach

"Warum bellen Hunde, aber Katzen nicht?", fragte neulich ein Kind seine Mutter im Bus. Ich beobachtete die Szene belustigt, war aber gleichzeitig heilfroh, nicht an der Stelle der Mutter zu sein.  "Weil... hmm... ich weiß auch nicht. Das ist halt so." "Und warum hat die Katze nicht mit dem Schwanz gewackelt?" "Ich weiß es nicht", schnellte es schon etwas gereizter zurück. "Und warum...", "Wir müssen aussteigen, Schluss jetzt", sagte sie, packte das Kind am Handgelenk und zog es bei der Haltestelle hinaus. Noch immer schmunzelnd dachte ich mir, ob das tatsächlich die Haltestelle war, an der sie ursprünglich aussteigen wollte oder ob die Mutter einfach schon müde der vielen Warums war...

Kinder stellen die oftmals gefürchtete "Warum"-Frage regelmäßig, es ist ein Teil des Erwachsenwerdens. Es ist eine Faszination für das Leben, eine reine Neugier auf all die Dinge, die wir später als Erwachsene dann viel zu oft als selbstverständlich hinnehmen.

Auch wenn es für die meisten Eltern schwierig ist, mit dieser Zeit umzugehen und sich seiner eigenen Antwortlosigkeit zu stellen, ist die Fragezeit von großer Bedeutung, um zum Erwachsenen heranzuwachsen. Die Informationen, die das Kind dabei erhält, schließen sich zu dem späteren Glaubenssystem zusammen, innere Werte werden gebildet und die Zukunft des späteren Denkens und Handelns geprägt.

Warum hören wir mit dieser wichtigen Frage auf, sobald wir erwachsen werden?

Es scheint als hätten wir aufgehört zu fragen. Irgendwie vergessen die Menschen darauf nach dem Warum zu fragen, sobald sie mit der Schule, mit Ausbildungen, einem Job etc. begonnen haben. In gewisser Weise verfallen alle dann der gleichen Routine: Morgens nach dem Weckruf heißt es aufzustehen und sich anzuziehen. Dann geht es ab Richtung Schule oder Arbeit, um am Abend müde heimzukehren, etwas zu essen und sich wieder in Morpheus Arme zu begeben.
Wie oft kommen wir im Laufe des Tages dazu uns kurz bewusst Zeit zu nehmen und "Warum" zu fragen: Warum tun Sie dieses und jenes, was sie tun? Was passiert, wenn Sie mal etwas anderes tun?  Es scheint als wäre unsere natürliche Neugier und das brennende Fragezeichen in uns erloschen als wir zu Erwachsenen herangereift sind.

Ich persönlich liebe es, all die Dinge in meinem Leben in Frage zu stellen, aber das war nicht immer so. Vorher steckte ich ebenfalls in einer Art Hamsterrad fest, bei dem ich dachte, dass es wie eine Karriereleiter aussah: Das Leben glich einer Rennstrecke, aber ich fühlte mich irgendwie leer und einsam. Erst nach einer schweren Krankheit begann ich wieder die Warum-Fragen zu stellen. Ich habe aufgehört all die Dinge zu glauben, die ich lese oder höre und ich frage lieber zwei Mal nach. Versuchen Sie das auch einmal, Sie werden überrascht sein, was Sie dabei erfahren werden! Wie anders die Dinge sind, wenn wir sie hinterfragen, wenn wir unsere Neugier aus dem staubigen Versteck holen, von alten Ablagerungen befreien und wieder ins Licht rücken.

Hinterfragen Sie bewusst und achtsam Ihren Autopiloten. Wann haben Sie das letzte Mal innerlich Stopp gesagt und überlegt, ob und wenn ja warum Sie jeden Tag mehr oder minder das Gleiche machen? Die meisten Menschen leben wie bereits verstorbene Zombies, von einem Tag zum nächsten, ohne einen Gedanken daran, ob es das überhaupt ist, was sie wollen. Der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier und so tut er das, was er immer tut, weil er es immer schon getan hat. Er isst das, was er immer isst, egal, ob es ihm gut tut oder nicht. Er geht zur Arbeit, die er vielleicht hasst, weil er ja von Montag bis Freitag immer zur Arbeit geht. Einen Kick  bringt ein bereits ein Streckenwechsel des Weges mit sich. Warum ist das so und wie sind wir dorthin gekommen? Weil wir sonst vielleicht einfach nicht wüssten, was wir sonst tun könnten...

Warum für die Gesundheit

Ihre Gesundheit ist eine der wichtigsten Dinge in Ihrem Leben. Körper und Geist sind die unglaublichsten und faszinierendsten Wunderwerke, die der Mensch jemals besitzt. Es liegt an uns das schätzen zu lernen und zu fragen, ob die Dinge, die wir täglich machen uns gut tun.

Warum für das eigene Glück

Fragen über den "Status quo" ist für Ihr Glück von enormer Bedeutung! Sich regelmäßig die Fragen zu stellen, ob Sie mit diesem oder jenem glücklich sind, warum Sie dieses oder jenes machen und ob Sie dieses oder jenes überhaupt so weitermachen wollen, eröffnet ungeahnte Türen und frischt die eigene Landkarte wieder auf. Sie erhalten Klarheit über Ihr Leben, über Ihre Motivation und letztendlich über Ihre Zufriedenheit.
Die Menschen werden dank der neuesten Technik und Medizin immer älter. Um das Alter auch genießen zu können, ist es wichtig, wenn wir uns immer wieder Fragen stellen, um herauszufinden, ob wir auf dem richtigen Weg sind. Ab und an sind dann sicher auch Anpassungen nötig. Also: Starten Sie los und fokussieren Sie sich so wieder auf die Dinge, die Sie glücklich machen.

Warum für das Wachstum

Egal, wen wir Fragen stellen: In erster Linie lernen wir uns dabei selber besser kennen. Was wir denken, was wir wissen, was unsere Grundüberzeugungen und Werte sind. Wenn Sie achtsam Ihre eigenen Reaktionen und Gefühle wahrnehmen, bekommen Sie schnell einen ehrlichen Einblick, was Sie selbst über sich denken.

Die eigene Befragung stellt unseren eigenen Glauben in Frage und schafft neue Perspektiven. Dadurch werden wir bereit für Veränderungen. Und genau das ist es, was Wachstum ausmacht: Unsere Gedanken führen uns zu Möglichkeiten, an die wir vielleicht vorher nie gedacht hätten oder die wir noch nie zuvor erlebt haben.

Fragen können eine Situation in Sekundenschnelle ändern, wunderbare Möglichkeiten bekommen Zugang zu Räumen, von denen wir noch nicht einmal wussten, das sie existieren oder deren Zugang wir uns jahrelang versperrten.

Das Leben ist eine nie endende Erfahrung. Für eine bewusste Entscheidung, ein glückliches und leidenschaftliches Leben zu leben und das zu tun, was wir wirklich wollen, müssen wir uns deshalb öfter uns selbst und auch anderen zeigen.

Sind Sie bereit, um "Warum" zu fragen?

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