Von Ingrid Gerstbach

Sonja ist eine hübsche, selbstbewusste Frau, mit der ich vor ein paar Wochen in einem Projekt zusammengearbeitet habe. Dabei habe ich sie für zwei Stunden in ihrem Alltag beobachtet und ihr danach gesagt, was ich gesehen habe. Sie ist fast aus allen Wolken gefallen und war zugleich auch besorgt, dass sie quasi für andere offen wie ein Buch ist. Das kann in gewisser Hinsicht auch tatsächlich der Fall sein, da wir unseren Körper instinktiv zur Kommunikation einsetzen und auch unbewusst andere anhand deren Verhalten einordnen. Deswegen kann es nicht schaden, das eine oder andere über Körpersignale zu wissen;)

Man kann nicht nicht kommunizieren

Das ist wohl der meist zitiertest Satz, wenn es um das Thema Kommunikation geht. Kommunikation ist omnipräsent, auch wenn wir gerade nicht laut reden, kommunizieren wir mittels unseres Körpers.
Gefährlich wird die Sache dann, wenn wir etwas sagen, das Gesagte aber nicht mit dem, was wir tatsächlich meinen und glauben, korrespondiert. Unser Körper gilt nicht zu unrecht als Spiegel unserer Seele. Wir wenden instinktiv die Körpersprache an und eröffnen so unserem Gegenüber einen Einblick in unsere wahre Natur. Profiler werden z.B. extra dazu ausgebildet, in Gesichtern Mimiken zu lesen, die vielleicht nur für Sekunden vorhanden sind, aber die den entscheidenden Hinweis über Wahrheit oder Lüge liefern. Vorsicht ist bei einer Interpretation dennoch immer geboten: Nicht immer gilt, dass verschränkte Arme ein Hinweis auf Ablehnung sind - Sie müssen immer den Kontext und die Kultur der Person miteinbeziehen!

Gestik und Mimik

Unnatürliche Gesten verraten Ihrem Gegenüber Ihre wahre Persönlichkeit: Auch wenn Ihre Mitmenschen Sie nicht so gut kennen, irgendwas wird sich "nicht rund" anfühlen. Versuchen Sie deswegen immer, Ihre Körpersprache in Einklang mit dem Gesagten zu bringen und bleiben Sie authentisch.

Wenn Menschen etwas zu verbergen haben, neigen sie dazu, Ihrem Gegenüber nicht offen ins Gesicht schauen zu können. Ein Herstellen des Augenkontaktes ist also wichtig, wenn Sie einen Menschen überzeugen wollen oder er Ihnen vertrauen soll.
Ruhe und Gelassenheit sind zwei Eigenschaften, die Sie nicht vorspielen können. Anspannung spiegelt sich nicht nur im Gesicht (zusammengekniffene Augen), sondern auch durch Füße, die sich am Stuhlbein festklammern, wieder.
Liegen die Hände aber locker entspannt auf der Tischoberfläche, ist alles relaxt und easy. Sind die Hände in der Hosentasche während eines Gesprächs? Das kann ein Zeichen für eine angespannte Situation sein.
Reibt sich jemand die Hände, dann deutet das auf Zufriedenheit hin, während die Hände in die Hüfte stützen eher mit Skepsis einhergeht.
Hat jemand vor Ihnen Respekt, wird er sich setzen, sobald Sie sich setzen (ein Stehenbleiben wäre das Gegenteil).
Zuversichtlich halten wir den Kopf etwas geneigt, ungläubig kratzen wir uns oft am Kopf oder an der Nase.
Wollen Sie jemanden auf Abstand halten? Dann breiten Sie Ihre Sachen auf dem Tisch aus und grenzen Sie ihn/sie so ab. Oder aber Sie blicken über Ihre Schulter bei einem Gespräch und vergrößern so körperliche die Distanz.

Unser Denken folgt dem Körper

Zahlreiche Beobachtungen und Studien haben ergeben, dass unser Denken dem Körper folgt. Stellen Sie sich also so hin, Brust rausgestreckt und die Schultern zurück, werden Sie selbstbewusster und selbstsicher auftreten und sich so auch dementsprechend fühlen.

Beobachten Sie doch einmal jemanden, den Sie als dominant empfinden. Meistens wird er oder sie breitbeinig dasitzen und viel Raum für sich einnehmen. Die Gestein sind ausladend und der Händedruck fest. Oft wirken diese Menschen auch noch arrogant durch ihre hochgezogenen Augenbrauen, dem etwas noch oben gehobenen Kopf und den schmalen Lippen.

Probieren Sie es doch mal aus und versuchen Sie folgendes: Wippen Sie mit dem Fuß, spielen mit Ihren Haaren und rutschen auf dem Stuhl hin- und her. Sie können auch mit Gegenständen, die vor Ihnen liegen, herumspielen und auf Ihrer Lippe herumkauen. Na, wie fühlen Sie sich? Weit entfernt von großartig, oder? In diesem Moment werden Sie sich wohl eher unwohl fühlen und verängstigt sein.

Sympathie

Mit ein paar Tricks wirken Sie auf andere gleich viel sympathischer: Lächeln Sie viel und nicken Sie mit dem Kopf, wenn Sie mit jemanden reden. Lehnen Sie sich zu Ihrem Gesprächspartner vor und signalisieren Sie so Interesse. Wenn Ihr Gegenüber das Wasserglas nimmt, um ein wenig daran zu nippen, tun Sie es ihm gleich und spiegeln Sie, subtil bitte, ihn oder sie wieder. Starren Sie auch nicht unentwegt das gegenüberliegenden Augenpaar, sondern lassen Sie Ihren Blick immer mal wieder über das Gesicht wandern.

Mein Plädöyer: Bleiben Sie authentisch!

Verstehen Sie mich aber bitte nicht falsch: Ich will Ihnen an dieser Stelle keine Anleitung geben wie Sie sich wie ein Roboter bewegen können oder wann Sie wohin starren sollen, um Vertrauen zu erwecken. Vielmehr geht es darum, ein Bewusstsein für Signale und Körpersprache zu entwickeln, um das Gesagte auch dem Nichtgesagten zuordnen zu können. Aber auch hier gilt wieder: Übung macht den Meister, also beobachten Sie viel und dann versuchen Sie es einfach mal aus!

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