Von Ingrid Gerstbach

Design Thinking ist nicht ein neues Modewort, das zufällig in Umlauf geraten ist, oder gar ein neues Handwerkszeug an Ideen, um Unternehmen umzuorganisieren. Design Thinking ist aus der Notwendigkeit heraus entstanden, weil großes Unternehmen die Fähigkeit zur Kreativität und die Flexibilität auf Kundenbedürfnisse einzugehen - geschweige denn diese überhaupt wahrzunehmen - fehlt. Neue Produkte und Dienstleistungen, die die Bedürfnisse des Kunden von heute stillen sollten, bleiben unerfüllt.

Ein Großteil der Unternehmen wird momentan von Managern geführt, deren Glaube darauf beruht, dass einzig Verwaltung, strategisch-zielgerichtetes Handeln und analytisches Denken zählt und seinen Nutzen erfüllt. Dieses Denken ändert sich allmählich: Wo einst Firmen wie Kodak aufgrund zu starrer Strukturen nicht rechtzeitig agieren konnten und so dem Untergang geweiht waren, müssen die Unternehmen von heute auf externe Veränderungen reagieren. Ständig wechselnde Trends und Kundenverhalten benötigen Unternehmen, die intern eine Kultur haben, die das kreative Denken und Handeln mit Methoden und Tools fördert, um flexibel reagieren zu können.

Design Thinking ist ein Differenzierungsmerkmal, das letztendlich über Wettbewerb und Wachstum eines Unternehmens entscheidet. Dem Designer liegt das kreative Denken in den Schuhen, er ist in der Handhabung von Werkzeugen und Methoden geschult und produziert so immer wieder neue Werte für eine neue Gesellschaft. Ein Manager zählt sich nicht unbedingt zu diesem Personenschlag, weil ihm eventuell die kreativen Prozesse und Denkhaltungen von Designer zu unklar, chaotisch und unberechenbar für sein Unternehmen scheinen.
Aus diesem Wunsch heraus ist Design Thinking als ein Prozess geboren, der Schritt für Schritt zu einem Ergebnis führen kann. Doch wie kreativ kann ein Prozess per se sein? Das Risiko, einen definierten Prozess zu standardisieren, führt über kurz oder lang wieder hin zu einem vorhersagbaren und weg von einem kreativen Ergebnis.

Design Thinking ist ein kreativer Problemlösungsansatz, der dazu genutzt wird, um neue Werte zu schaffen, die vielleicht anders und deren Ergebnisse oft auch überraschend sind. Unternehmen, die Design Thinking anwenden, haben höhere ROIs und sind wirtschaftlich rentabler.

Design Thinking ist aber auch keine Standardlösung. Unternehmen, die auf den modernen Zug aufspringen wollen, ohne wirklich verstanden zu haben, was Design Thinking tatsächlich ist, wie es funktioniert und warum es überhaupt notwendig ist, werden mitunter herbe Bruchlandungen erleben. Andere Unternehmen meinen wiederum, dass sie Design Thinking bereits in ihrem Geschäft implementiert haben und versuchen so ein Ergebnis, das sie nicht verstehen oder von dem sie enttäuscht sind, rechtfertigen. Design Thinking ist aber keine Methode, die durch einmalige Workshops jahrzehntelange Fehleinschätzungen und -investitionen lösen kann.
Design Thinking ist eine Kunst für sich, ein Akt der Gestaltung, der Perfektion und Ideal zu verschmelzen versucht. Organisationen, die diese Kreativitätsansatz getrennt von Logik sehen, werden enttäuscht sein. Kreativität ist vielmehr die Fähigkeit, Sinn für neue Logik zu finden, indem sie alles miteinander verbindet.

“We are at a critical point where rapid change is forcing us to look not just to new ways of solving problems but to new problems to solve.” -Tim Brown

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