Von Ingrid Gerstbach

"Bevor Du urteilen willst über mich und mein Leben,
ziehe meine Schuhe an und laufe meinen Weg,
durchlaufe die Straßen, Berge und die Täler,
fühle die Tränen, erlebe den Schmerz und die Freude,
durchlaufe die Jahre, die ich ging,
stolpere über jeden Stein, über den ich gestolpert bin,
stehe immer wieder auf und gehe dieselbe Strecke weiter,
genau wie ich es tat.
Und erst dann kannst Du urteilen."

(Indianisches Sprichwort)

Kennen Sie zufällig Sarah Nein? Sarah ist 20 Jahre alt, lebt in einer Großstadt, arbeitet in der PR Abteilung im Bereich Lifestyle und studiert momentan Mode-Design. Sie studiert sehr gerne, aber da das Studium teuer ist, muss sie nebenbei noch arbeiten. In ihrer Freizeit trifft sie gerne Freunde, mit denen sie sonst ständig über social medias kommuniziert. Sarah ist markentreu und liebt Vintage. Zu ihren Stärken zählen Pünktlichkeit, Ordnung, Kommunikation und Teamfähigkeit, sie hat einen starken Gerechtigkeitssinn und ist sehr zuverlässig. Sie wünscht sich in ein paar Jahren eine kleine Familie mit zwei Kindern und versucht für die Hochzeit ihrer besten Freundin 5kg abzunehmen.
Sarah ist die typische Leserin einer meiner Kunden. Sarah ist eine fiktive Person (momentan eine Puppe, die in die hippsten Kleider eingehüllt wurde, mit einem Mini-iPhone ausgestattet ist. Vor ihr steht ein Cafe Latte, sie hat eine Sonnenbrille auf der Nase und ihre Lieblingszeitschrift in dem trendy Shopper) und steht stellvertretend für eine große Zielgruppe.

Das Modell der Personas

Personas sind fiktive, typische Kunden oder Anwender, die eine Zielgruppe repräsentieren. Bereits zu Beginn eines Design Thinking Prozesses helfen solche Modelle, wichtige Entscheidungen zu treffen, indem sie wesentliche Eigenschaften der Zielgruppe zusammenfassen, verdeutlichen und abbilden. Die wirklichen Bedürfnisse und Motivationen einer Zielgruppe können so besser verstanden werden. Sie erlauben dem Team mehr Möglichkeiten zu durchdenken, mit dem Menschen, dem sie einen Mehrwert bringen wollen, Rolle zu tauschen, in seine Gefühls- und Erlebniswelt einzutauchen, aus seiner Brille die Welt zu beobachten. Um zu verstehen, was er oder sie wirklich braucht und will.

Wie erstelle ich eine Persona?

Fiktive Personen zu erfinden und denen mögliche Ziele und Motive zuzuschreiben, ist eine Möglichkeit, wenn Sie gerade ganz zu Beginn Ihrer unternehmerischen Tätigkeit stehen und sich überlegen, wie Ihr idealer Kunde aussehen soll. Wenn Sie allerdings bereits in einem Geschäft tätig sind, sollten die Personas auf realen Informationen basieren. Diese lassen sich sehr gut mit beispielsweise Interviews oder Umfragen sammeln. Daraus werden dann die wichtigsten Eigenschaften identifiziert und in einer Persona dargestellt.

Baukastenset

Folgende Infos sind für die Modellierung von Personas wichtig:

  • Ist Ihr idealer Kunde männlich oder weiblich?
  • Wie alt ist er oder sie?
  • Wo lebt und arbeitet diese Person?
  • Wie verbringt sie ihre Freizeit, was sind die typischen Hobbys?
  • Ist es ein Single oder lebt er in einer Partnerschaft? Gibt es Kinder, Haustiere? Wenn ja, wie viele und wenn nein, warum nicht?
  • Wie sieht der Ausbildungsweg aus?
  • Was ist das durchschnittliche Einkommen?
  • Wie sehen die Ziele, Bedürfnisse, Wünsche und Erwartungen aus?
  • Was wollen diese Menschen alles erreichen?
  • Wie können Sie sie dabei unterstützen?

Geben Sie Ihrem Modell einen realistischen Namen. Suchen Sie eine Puppe oder ein Foto der passende Person und machen Sie daraus eine Story, um dem ganzen Leben einzuhauchen.

Darf ich vorstellen?

Das Ergebnis ist nun eine fertig ausgestaltete Version Ihres Kunden. Dieses Modell kann nun als Grundlage für verschiedene Entscheidungen herangezogen werden. Der große Vorteil ist, dass nun alle eine konkrete Person vor Augen haben, die sie kennen und deren Wünsche und Bedürfnisse es zu erfüllen gilt. Sie verfolgen kein abstraktes Ziel mehr, sondern denken gemeinsam mit Ihren Kollegen an dieselbe Person.
Personas lassen sich herrlich in Diskussionen verwenden ("Spinnst Du? So was würde Sarah nie machen!"), in Storyboards einbinden und für Rollenspielen und andere Usability-Aktivitäten nutzen. Durch den Einsatz von Personas werden Mitarbeiter motiviert anders zu denken und Produkte werden ständig evaluiert und verbessert.
 

Haben Sie diese Methode bereits anwenden können? Wie sieht Ihre Sarah aus? Ich würde mich freuen, wenn Sie mir Ihre Gedanken dazu mitteilen würden :)

 

Bildquelle: http://visual.ly/sarah-character-composite

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