Von Ingrid Gerstbach

Mind Mapping bezeichnet einen Prozess, bei der in der großen Datenmenge, die während der ersten Phase gesammelt wurde, nach Mustern und Clustern gesucht wird. Das Ziel ist, dass alle Beteiligten über die neu erhaltenen Einsichten (key insights) eine gemeinsame Sichtweise gewinnen. Daraus sollen Kriterien für  die kommende Phase erstellt werden.
Alle Daten werden aufbereitet und gezeigt, sodass gemeinsam Themen und Muster in einer sinnvollen und nachvollziehbaren Art zusammengefasst und gruppiert werden können. 

Gerade für den analytisch geschulten Menschen stellt Mind Mapping eine Herausforderung da. Glücklicherweise neigen wir von Natur aus dazu, ziemlich schnell gleiche Muster zu erkennen.
Auch bei dieser Technik geht es aber in erster Linie darum, dass wie all diese Werkzeuge das kreative Denken unterstützt werden soll und es nicht darum geht, „die richtige“ Antwort versuchen zu finden.

Warum nutzen wir Mind Mapping

In der Explorationsphase haben wir bereits einen Berg an Daten gesammelt. Die erste Herausforderung besteht nun darin, all diese Informationen auf systematische Weise zu verarbeiten, so dass daraus neue und bessere Ideen als sonst generiert werden können. Es wäre in der Tat sonst nur ernüchternd, wenn die Informationen, die seit Monaten mühevoll gesammelt und gesucht wurden, entweder ganz ignoriert oder, schlimmer noch, aus den Kontext gerissen werden, um bereits vorhandenen Ideen zu rechtfertigen.
Die größte Gefahr für Innovationsprozesse ist, dass aus den gewonnen Informationen nicht gelernt wird oder die vielversprechendsten Ideen nicht ernsthaft in Betracht gezogen werden.

Mind Mapping kann dabei helfen, diese solche Fallstricke zu vermeiden. Versuchen Sie einen Schritt mal von der "business as usual" Einstellung wegzugehen und nicht über die "richtige" Antwort nachzudenken. Sondern ersetzen Sie diesen Dialog mit einem designorientierten Fokus auf Exploration, der ebenfalls mit Daten und Fakten untermauert wird.

Dabei wird eine gemeinsame Sichtweise über die aktuelle Realität gefunden, die bei der Suche nach Lösungen verloren gegangen ist. Damit das auch gelingt, muss Mind Mapping als eine Art Mannschaftssport verstanden werden.

Wann Mind Mapping genutzt wird

Der Mind-Mapping-Prozess kann beginnen, wenn das Gefühl da ist, dass genug Daten gesammelt wurden. Das kann nach einem beliebig gewählten Zeitpunkt klingen, weil die Menschen dazu neigen, nie genug Infos zu haben ;) Aber auch das ist ein wichtiger Teil des Design Thinkings: das Loslassen des Bedürfnis nach Sicherheit. In diesem Fall bedeutet es zu akzeptieren, dass wir nie absolut sicher sein können, dass wir alle Daten haben, die wir brauchen, um einen hundertprozentig sicheren Ablauf nachspielen zu können.

Wie Mind Mapping funktioniert

  1. Mind Mapping beginnt damit, die Daten und Informationen so sichtbar zu machen, dass auch wirklich jeder sie sehen kann. Das an sich ist schon eine schwierige Aufgabe. Normalerweise fasst das Management Berichte zusammen und erwartet vom Team diese zu lesen und für sich bereits interpretiert zu haben, bevor gemeinsam nächste Schritte besprochen werden können. Dieser Ansatz kann auch helfen, aber meistens überlässt er - trotz intensiver Vorbereitung - viel dem Zufall.
    Im Vorfeld wurden also bereits große Mengen an Informationen produziert, die gerade nicht direkt Involvierte im ersten Augenblick überwältigen kann. Aus diesem Grund ist es wichtig, sich sorgfältig zu überlegen wie sich die Informationen gut präsentieren lassen. Mein Vorschlag ist, dass Sie alle gesammelten Daten wie in einer Art Galerie aufbereiten: Bilder helfen extrem bei der Kommunikation von gerade komplexeren Sachverhalten. Die Schlüsselkomponenten wird so klar, eindeutig und unmissverständlich transportiert. Nachdem bereits einige Journey Maps und Personas existieren, empfiehlt es sich, daraus ein Plakat zu machen (Sie können dazu auch in einem Copy Shop schnell und günstig eines aus Power Point oder Word Dateien heraus erstellen lassen).
     
  2. Laden Sie Kunden/Nutzer ein. Sagen Sie Ihnen, dass Sie ihre Intuition benötigen. Weisen Sie sie in kleine Teams ein und decken Sie diese mit vielen Post-its, Stiften in diversen Farben und einem Flipchart ein.
     
  3. Starten Sie das Kick-off Meeting, indem Sie Ihre Gäste durch Ihre Galerie führen. Je nach ihrer Vertrautheit mit dem Prozess, müssen Sie möglicherweise einige Zeit mit Erklärungen verbringen (aber bitte nicht zu viel!).
     
  4. Gehen Sie auf die Suche nach den besten Ideen: Bitten Sie jeden Teilnehmer die Galerie zu "durchsuchen" (ohne miteinander reden) und alle Erkenntnisse, die ihnen dazu einfallen, auf Post-its zu notieren. Rechnen Sie mit ca. 20 bis 30 Erkenntnissen pro Person. Wenn wichtige Informationen oder Daten in der Galerie fehlen sollten, dann bitten Sie die Teilnehmer ihre eigenen auf farbigen Post-Its hinzuzufügen. Geben Sie dafür unbedingt eine Zeitspanne von etwa 15 min. vor.
     
  5. Clustern Sie. Sobald die Teilnehmer fertig sind, sollen sie sich in ihre Kreise setzen und die gewonnenen Ideen, Einsichten und Erkenntnisse auf ihren Post-Its clustern. Danach arbeiten die Teams zusammen und suchen nach gemeinsamen Mustern und Themen, die sie dann auf eine eigene Wand pinnen.

Mögliche Varianten zum Clustern:

  • Einer beginnt, indem er sein oder ihr Thema, das am wichtigsten und signifikantesten erscheint, in die Mitte. Alle anderen Teammitglieder fügen dann zu diesem Cluster ihre eigenen Notizen, die für dieses Thema relevant sind, hinzu.
  • Eine zweite Person bietet ein weiteres Thema an. Der Prozess wird wie zuvor wiederholt. Die Gruppe setzt das in dieser Weise fort, bis alle großen Themen auf dem Board gesammelt wurden.
  • Am Ende wird jedes Post-it, das keinem Thema zugeordnet werden konnte, zu dem Thema "Ausreißer" hinzugefügt: Nur weil ein Teil der Information nicht in ein Cluster passt, bedeutet das nicht, das es nicht wichtig ist!

6. Identifizieren Sie die Themen, die in die einzelnen Cluster verwandt sind, und suchen Sie nach Verbindungen zwischen Clustern. Bitten Sie die Teams einen Schritt zurückzutreten und zu erkennen, welche Einsichten sich aus jedem Cluster ergeben können. Diese sollten auf große Post-its über das betroffene Cluster geschrieben werden. Danach geht es wieder auf die Suche nach Beziehungen zwischen den großen Cluster-Themen.

7. Schlüsseln Sie Erkenntnisse und Verbindungen in Kriterien auf. Stellen Sie dazu die Frage: "Welche Eigenschaften sollten nach all diesen Erkenntnissen und Einsichten unser Produkt/unsere Dienstleistung haben?" Fangen Sie alle Gedanken dazu auf einem Flipchart ein, pro Team eine eigene Seite.

8. Erstellen Sie eine Liste gemeinsamer Kriterien. Dabei können die Teams die jeweils anderen Listen und Kriterien sehen. Gemeinsam wird eine Master-Liste erstellt, auf der alle Kriterien, die das "perfekte" Produkt/Dienstleistung etc. haben muss.

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